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Predigt

Predigt zum 25-jährigen Diakonatsdienst

18. Januar 2026
St. Bonifatius zu Lübeck

Es gilt das gesprochene Wort!

 

Liebe Schwestern und Brüder,

vor 25 Jahren, genauer gesagt am 26. Dezember 2000 wurden im Hamburger Sankt Mariendom sechs Männer vom damaligen Erzbischof Ludwig Averkamp zu Diakonen geweiht. Heute sind sie als Gruppe hier wieder zusammengekommen, um für die Weihe und einen 25-jährigen Dienst von ganzem Herzen Dank zu sagen.

Der Diakon ist ein altes Amt in unserer Kirche. Bereits die Apostelgeschichte berichtet über die ersten Diakone, allen voran über den Heiligen Stefanus, an dessen Festtag, am zweiten Weihnachtstag, ihre Weihe in Hamburg damals stattgefunden hat. Ein ungewöhnlicher Weihetag, aber dennoch sehr symbolträchtig. Immer wieder gab es in der Geschichte herausragende diakonale Gestalten, die wir bis heute als Heilige verehren: zum Beispiel den berühmten Diakon Laurentius, der alles für die Armen einsetzte. Auch der Heilige Franziskus hat die Diakonweihe empfangen und bewusst dieses Amt gewählt. Er hat sich, wohl aus Bescheidenheit, nicht zum Priester weihen lassen. Auf Malta finden wir sogar einen seligen Diakon, den seligen George Preca. Er wurde 1880 geboren und starb im Jahr des Beginns des Zweiten vatikanischen Konzils, am 26 Juli 1962. Papst Benedikt hat in 2007 seliggesprochen. Dieser Mann wurde 1907 zum Diakon geweiht und blieb ständiger Diakon, was zur damaligen Zeit noch ganz ungewöhnlich war. Ein Beispiel, das sich in einer stillen Stunde näher anzuschauen lohnt.

Langsam aber sicher geriet dann das eigenständige Amt des Diakons in Vergessenheit. Der Diakonat war nur eine Durchgangsstufe zur Priesterweihe geworden, die Weihe fand ohne große Öffentlichkeit in aller Stille statt, das Amt wurde eigentlich nicht richtig ausgeübt, so erzählte mir das noch mein Heimatpfarrer. Erst das Zweite vatikanische Konzil vor 60 Jahren hat den Diakonat wieder als eigenständigen Dienst hervorgeholt und die Weihe von verheirateten Männern zu Diakonen ermöglicht.

Sicher zählt die Wiedereinführung des Diakonenamtes zu einem der großen Schätze, die das Zweite vatikanische Konzil wiederentdeckt hat. Bald nach dem Konzil haben in allen Diözesen die Vorbereitungskurse begonnen und bald danach sind die ersten Diakone geweiht worden. In diesen Jahren seit dem Konzil hat sich das Profil des Diakons immer wieder ein wenig gewandelt. Heute steht in unserem Erzbistum ganz klar die caritative Dimension im Vordergrund, der Liebesdienst mitten in Welt und Gemeinde. Verkündigung, Sakramentenspendung und Liturgie kommen dazu. Diakone leben die frohe Botschaft der Liebe, des Evangeliums, vor allem in der Tat im Alltag, in der Caritas, die zum Leben jeder Gemeinde zählt. In einem Schreiben unseres jetzigen Papstes Leo XIV anlässlich des 60. Jahrestags der Texte des Zweiten vatikanischen Konzils zum Priestertum, vom 8. Dezember 2025, findet sich auch ein kleiner, aber wesentlicher Passus zu den Diakonen. Papst Leo schreibt: das Amt des ständigen Diakons ist nach dem Vorbild Christi, des Dieners gestaltet, es ist ein lebendiges Zeichen einer Liebe, die nicht an der Oberfläche bleibt, sondern sich hinabbeugt, zuhört und sich schenkt (vgl. Nr. 18).

Auch die Texte aus der Heiligen Schrift, die uns der heutige Sonntag aufschlagen lässt, können uns diesem Profil ein wenig näherbringen und ganz im Sinne des Heiligen Vaters den Weg von der Oberfläche in die Tiefe weisen.

Da ist zunächst die Lesung aus dem Alten Testament, aus dem Buch Jesaja. Hier taucht ein markanter Begriff mehrfach auf: der Knecht. Ganz Israel und damit der Einzelne Israeli wird als Knecht bezeichnet. Ein für unsere Ohren wenig charmanter Begriff! Gott sei Dank heißt es dann auch: es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist. Dir will ich meine Herrlichkeit zeigen. Ich mache ich zum Licht der Völker, damit mein Heil überall ankommen kann. Deutet sich hier schon ahnen, dass wir weniger Knechte, sondern vielmehr Freunde Gottes sind? Freunde, mit denen er Großes vorhat.

Und einer dieser Freunde ist Johannes der Täufer, von dem das Evangelium heute widerspricht. Er hat uns schon an vielen Tagen in der Adventszeit begleitet. Heute öffnet er den Weg für das öffentliche Wirken Jesu. Und diesen Johannes dem Täufer nennt Jesus explizit Freund. Er selbst ist der Bräutigam, der die Kirche zur Braut nimmt und sich mit ihr aufs innigste vermählt. Johannes ist explizit der „Freund des Bräutigams“ (Joh 3, 29)

Diakone dürften wohl eher Freunde Jesu sein und weniger Knechte. Deswegen ist die Leitfrage nicht: Was muss ich tun? Was nutzt das? Was verdiene ich damit? Der Freund fragt er: Was ist gut? Ja, was ist besser, wodurch erfülle ich mehr und mehr den Willen Gottes? Was wünscht sich der Freund von mir?

Johannes der Täufer ist der gläubige Freund Jesu. Das heutige Evangelium nennt ausdrücklich sein Glaubensbekenntnis: dieser ist der Sohn Gottes! Es gibt auch die anderen Momente, als er im Gefängnis sitzt und die Frage stellt bist du es, der da kommen soll? Oder noch ein paar Verse zuvor im heutigen Tagesevangelium muss er freimütig bekennen: „Auch ich kannte ihn nicht.“ (Joh 1, 31) – aber wie in einer guten Freundschaft hat er Jesus kennengelernt. Freunde kennen sich von innen her und lernen sich immer besser und tiefer kennen. Diesen Weg der Freundschaft ist offenbar Johannes gegangen und kann dann sein Glaubensbekenntnis in einem Satz zum Ausdruck bringen.

Johannes wird zum Lebensfreund Jesu. Mir imponierte immer wieder seine bescheidene, asketische Grundhaltung. Da wird keine Schau aufgeführt, sondern dann nimmt sich jemand ganz zurück, wird ganz existenziell und richtet sich auf das Wesentliche aus. Alles drumherum fällt ab und wird beiseitegeschoben. Johannes ist sein Leben lang frei für den Freund Jesus.

Am Ende hält er dann für den Freund den Kopf. Er zieht den Kopf nicht aus der Schlinge und bringt sich in Sicherheit, sondern lässt es gewähren und gibt sein ganzes Leben für die Wahrheit hin. Die Wahrheit, von der wir glauben, dass sie nicht aussetzen und Strukturen besteht, sondern dass sie eine Person ist: Jesus selbst. Er ist der Weg, das Leben, die Wahrheit.

25 Jahre Diakonat sind eine lange Zeit. Eine Zeit, die Freundschaft mit Jesus zu leben: gläubig und mit allen Fasern des eigenen Lebens. Da steht man dann auch oft als Zeuge dar, der mitten in Familie und Beruf von diesem Bräutigam Zeugnis ablegen kann. Ich möchte Ihnen ganz herzlich danken für alle ihre Dienste in der Gemeinde, da, wo die Bischöfe sie hin gesandt haben. Ich möchte aber auch danken für die vielen Dienste im Alltag, im Beruf. In der Familie, im Bekanntenkreis. Mitten im Leben. Ich danke für Ihr Glaubens – und Lebenszeugnis. Vergelt’s Gott!

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