Das Wichtigste für einen Christen ist es, im Lichte Christi zu stehen und zu leben, das ganze eigenen Leben durch Christi Licht erhellen zu lassen und zum Leuchten zu bringen.
Erzbischof Dr. Stefan Heße
Es gilt das gesprochene Wort!
( Les.: Apg 10, 34a.37-43 ; Kol 3, 1-4 ; Evgl. : Joh 20, 1-18)
Es gibt unzählige Werke der christlichen Kunst, ganze Sammlungen in Museen. Darunter Bilder von Heiligen, Szenen aus der Bibel, viele Weihnachtsbilder und natürlich vom Kreuzweg und dem Tod Jesu. Aber: wie sieht es mit Ostern aus? Oder anders gefragt: kann man Ostern malen? Und wenn ja, wie?
Ostern, die Auferstehung Jesu ist voll und ganz Gottes Wirklichkeit. Wir können theologisch sagen: ganz transzendent. Also wird es wohl schwer werden, ein Osterbild zu malen. Einfacher sind die Begegnungen des Auferstandenen mit den Frauen und den Apostel, die Erscheinungen, die uns die Heilige Schrift berichtet.
Einer, der versucht hat, das darzustellen, was nicht darstellbar ist, ist Giovanni Gerolamo Savaldo. Er stammt aus Brescia und starb um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Venedig. In meinen Jahresexerzitien vor 14 Tagen erhielt ich vom Begleiter sein Bild: Maria Magdalena auf dem Weg zum Grab Christi. Es war mir bis dato unbekannt; ausgerechnet dieses Bild findet sich auch in Großformat in der aktuellen Ausgabe unserer Kirchenzeitung. Lassen Sie es mich ein wenig skizzieren:
Savaldo malt porträthaft Maria Magdalena vor dem Grab mit einem kleinen Salbgefäß. Sie wendet sich leicht dem Betrachter des Bildes zu. Maria Magdalena ist nahezu ganz in einem weißen Stoff gehüllt – nur Hand und Gesicht liegen offen. Ob dieses Tuch wie ein Leichentuch anmuten soll?
Das Herausragende: dieses Tuch glänzt silbrig schimmernd. Maria Magdalena steht in einer Lichtquelle, die außerhalb des Bildes liegt und für den Betrachter nicht zu sehen ist. Offenbar will Savaldo Maria in das Licht des Auferstandenen stellen, die man gar nicht sieht, mit dem sie aber in ein Gespräch findet. Er strahlt sie in dieser Begegnung an und damit steht sie in österlichem Licht. So wird die Transzendenz nah und sichtbar; so wird auf sehr feine Art und Weise der Auferstandene und Auferstehung ins Bild gebracht. Für mich ein herausragender Versuch, Ostern zu malen.
Und auch ein Hinweis, heute Ostern zu feiern. Es bedeutet nämlich, sich in das Licht Christi zu stellen. Deswegen begann unsere Osternachtliturgie vor wenigen Stunden im Dunkeln und seitdem brennt die große Osterkerze. Sie ist ein Sinnbild für den auferstandenen Christus, in dessen Licht wir uns hineinstellen. Deswegen haben die Neugetauften in dieser Osternacht und alle Gläubigen ihre Kerzen, vor allem ihre Taufkerzen, an Christus selber entzündet.
Die drei Neugetauften, die hier im Dom in dieser Nacht das Sakrament der Taufe empfingen, zu denen sich erfreulicherweise viele in unserem Bistum dazu gesellen, sie haben mir bei einer Begegnung vor wenigen Wochen vermittelt, dass ihnen ein Licht aufgegangen ist – und zwar das Licht Christi. Das Wichtigste für einen Christen ist es, im Lichte Christi zu stehen und zu leben, das ganze eigenen Leben durch Christi Licht erhellen zu lassen und zum Leuchten zu bringen. Also nicht sich im eigenen Rampenlicht zu sehen und keineswegs im Schatten Jesu zu stehen, sondern in seinem Licht. Ostern ruft uns dazu auf, uns selber und die ganze Welt in diesem Licht zu betrachten. Ich bin mir sicher, dass dies die entscheidende Veränderung für uns alle bedeutet. Täten wir das mehr und mehr, wäre unser Leben anders, wäre die Welt eine andere!