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Predigt

Silvesterpredigt im St. Marien-Dom

31. Dezember 2025
Hamburg

„Auch wenn das Heilige Jahr in wenigen Tagen zu Ende sein wird, der Weg der Hoffnung geht weiter.“

Erzbischof Dr. Stefan Heße

Es gilt das gesprochene Wort!

Wir stehen in den letzten Tagen des Heiligen Jahres, das Papst Franziskus an Weihnachten 2024 eröffnet hat und das zu Beginn des nächsten Jahres beendet werden wird. Mit einer großen Gruppe aus unserem Erzbistum sind wir im Oktober in Rom gewesen zu einer Wallfahrt der Hoffnung, die viele begeistert und inspiriert hat. In dieser Zeit großer Veränderungen und Umbrüche hoffnungsvoll leben – das ist unser Auftrag als Christen. Gar nicht so einfach angesichts der Spannungen zwischen den Weltmächten, des Krieges in der Ukraine, der Kluft zwischen Arm und Reich, der immer weiter wachsenden Zahl von Geflüchteten und Migranten, der Bedrohung unserer Schöpfung…

Mich persönlich holt immer wieder ein kleiner Satz aus dem Evangelium ein, den ich mir als bischöfliches Leitwort gewählt habe. In lateinischer Sprache steht er in meinem Bischofswappen: apud deum omnia possibilia, d.h. bei Gott ist alles möglich. Ich weiß noch genau, wie ich damals auf diesen Satz gestoßen bin. Eines Freitags abends, genau war es der 16.Januar 2015,  bekam ich einen Anruf aus Hamburg, der mein ganzes Leben verändern sollte. Das Domkapitel hatte mich an jenem Tag zum neuen Erzbischof von Hamburg gewählt, ohne dass ich irgendeine Vorahnung davon gehabt hätte. Die folgende Nacht war eine der unruhigsten in meinem bisherigen Leben. Am nächsten Morgen ging ich wie gewohnt in den Kölner Dom, um dort die Heilige Messe zu feiern. Es war das Fest des heiligen Einsiedlers Antonius. Sein Fest ist verbunden mit dem kurzen Stück aus den Evangelien, das für sein eigenes Leben eine total verändernde Bedeutung bekommen würde. Er hat es damals in der Kirche gehört und ist daraufhin Mönch geworden. Es ist das Evangelium von dem jungen Mann, der Jesus fragt: „Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ (Mt 19, 16) Jesus zählt daraufhin die Gebote auf und der junge Mann ist der Auffassung, das ja schon längst zu tun. Dann erweitert Jesus den Ruf und sagt ihm: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib ihn den Armen.“ (Mt 19, 21) Antonius konnte das. Der junge Mann im Evangelium konnte es nicht und offenbar schleicht sich auch bei seinem Jüngern Skepsis ein, wenn sie den Meister darauf hin fragen: „Wer kann dann noch gerettet werden? (Mt 19, 25) Jetzt kommt der kleine Satz: „Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.“ (Mt 19, 26) Als ich mich mit der Frage auseinandersetzte, ist die Wahl des Hamburger Domkapitels dein Ruf, kannst du das, sollst du das, hat mir dieser kleine Satz geholfen: bei Gott ist alles möglich. Seitdem begleitet er mich. Er begleitet mich durch die vielen Herausforderungen des Alltags, manchmal größere, manchmal aber auch kleine. Dann sage ich mir diesen kleinen Satz wieder selber zu: Bei Gott ist alles möglich.

Wir haben gerade vor acht Tagen Weihnachten gefeiert, das Fest der Liebe Gottes. Man könnte über dieses Fest auch einfach schreiben: Bei Gott ist alles möglich, bei Gott wird das Unmögliche möglich. Als alles verloren zu sein scheint, sendet Gott seinen Sohn in die Welt und setzt einen neuen Anfang. Mit der Geburt Jesu wird das Undenkbare, das Unglaubliche möglich, die neue Schöpfung, selbstlose Hingabe, Liebe. Jesus ist für mich der wichtigste Hoffnungsmensch. Ihm sind im Laufe der Geschichte Unzählige gefolgt und haben Zeugnis abgelegt für das Unmögliche. Diese Menschen haben nicht die Hoffnungslosigkeit der Welt verdoppelt (vgl. Würzburger Synode) ; sie haben gegen alle Hoffnungslosigkeit Zuversicht gesetzt, neue Anfänge. Das konnten sie nur, weil sie sich auf diesen Gott der Hoffnung (Röm 15,13) verlassen haben, so sehr, dass sie sich selbst loslassen und gelassen leben konnten. Sie wussten um dieses alles, das bei Gott möglich ist.

Auch wenn das Heilige Jahr in wenigen Tagen zu Ende sein wird, der Weg der Hoffnung geht weiter. Auch im neuen Jahr sind und bleiben wir als Pilger der Hoffnung unterwegs. Leben wir in diesem neuen Jahr, was wir uns erhoffen. Gehen wir als Hoffnungsträger in das neue Jahr hinein. Ich wünsche Ihnen, dass da, wo sie leben, wo sie im neuen Jahr unterwegs sein werden, wo sie anderen begegnen werden, mehr Hoffnung als Verzweiflung existiert, dass es immer einen Überschuss an Hoffnung gibt, mehr Liebe als Hass, mehr Verzeihung als Beleidigung, ein mehr an Verbindung als Entzweiung, in allen Zweifeln ein Plus an Glaube, in aller Dunkelheit immer ein Licht.

Ich wünsche Ihnen, dass das Heilige Jahr der Hoffnung in uns einen gewaltigen Hoffnungsschub ausgelöst hat und wir als Hoffnungsträger mit einem großen Hoffnungsschimmer von 2025 nach 2026 hinübergehen. Die Hoffnung enttäuscht nie!

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