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Predigt

Predigt von Erzbischof Stefan Heße an Allerseelen, 2.11.2022 im St. Marien-Dom zu Hamburg

02. November 2022
St. Marien-Dom

Im November Gedenken wir an vielen Tagen unserer Verstorbenen: gestern an Allerheiligen, heute an Allerseelen, schließlich am Volkstrauertag und Totensonntag. Der 9. November erinnert uns jedes Jahr an die Opfer der Reichsprogromnacht 1938 und einen Tag später, am 10. November denken wir besonders in unserem Erzbistum an das Sterben der vier Lübecker Märtyrer 1943 und damit natürlich auch an die vielen Toten von Krieg und Gewalt – bis heute!

Wir müssen aber auch feststellen, dass trotz dieser Gedenktage sich das Erinnern an unsere Verstorbenen sehr wandelt. Halloween zum Beispiel findet steigenden Anklang, auch wenn es in diesem Jahr von einer Massenpanik und vielen Toten in Südkorea überschattet wird. In unseren Großstädten werden viele Menschen anonym bestattet, viele in Friedwäldern, manche auf hoher See. Ihre Namen stehen auf keinen Grabsteinen. Ein konkreter Ort des Gedenkens, wo man hingehen kann, ist nicht mehr da. Eine ganz neue Alternative: die Reerdigung. Nach der Trauerfeier wird der Leichnam in einem besonderen Sarg aus Edelstahl gebettet, der mit Stroh und Blumen ausgelegt ist. In ihm zerfällt der menschliche Körper bei einer Temperatur von 70°C innerhalb von 40 Tagen zu Humus. Die reine Erde wird dann auf dem Friedhof beigesetzt und auf dem Grab kann zum Beispiel etwas gepflanzt werden. Auf unserem Ohlsdorfer Friedhof hat bereits die erste Beisetzung nach einer Reerdigung stattgefunden.

Wie bedeutsam und wichtig ein Abschied, eine Beerdigung, eine Zeit der Trauer sind, konnten wir im September beim Tod der Queen in England beobachten. Millionen von Menschen haben weltweit daran teilgenommen, haben mitgetrauert, haben etwas erfahren vom christlichen Glauben dieser Königin. Alles war detailliert geplant: ein Ausdruck von Würde und Ehre, die ein Mensch bis zuletzt besitzt. Am Ende wurden die Krone und das Zepter vom Sarg der Königin weggenommen und auf den Altar gelegt. Eine bedeutende Zeremonie, die zum Ausdruck bringen soll, dass wir vor Gott alle gleich dastehen. Hiob bringt es auf die schlichte Formel: Nackt wurde ich geboren, nackt sterbe ich.

Die Erinnerungskultur ist im vollen Wandel begriffen. Wie erinnere ich mich meiner Verstorbenen? Oder: Wie möchte ich, dass man sich einmal an mich erinnert, wenn ich tot sein werde?

Die Kirche gedenkt in jedem Gottesdienst der Verstorbenen, sie nennt sie beim Namen. Keiner ist vergessen.
Wir tun das, weil wir der festen Überzeugung sind, dass Gott keinen vergisst und bei ihm alle leben.
Wir hoffen auf die Gemeinschaft mit unseren Verstorbenen, auf ein Wiedersehen.

Ja, wir hoffen darauf, dass Gott in seiner Liebe zu uns die bescheidenen Anfänge unseres Lebens vollendet, dass er die Bruchstücke unseres Lebens zusammengefügt, dass das Verlorene wieder gefunden wird, dass Schuld gesühnt wird, dass Leiden geheilt werden, dass Gerechtigkeit aufgerichtet wird und Frieden, Gottes unendlicher Frieden, sein Shalom herrscht.

Allerseelen ist nicht nur Gedenken und Erinnerung auf der einen Seite und Hoffen und Zuversicht auf der anderen. Es ist auch ein Tag des Gebetes für unsere Verstorbenen. Im Gebet schlagen wir die Brücke zwischen der Vergangenheit, die wir mit unseren Verstorbenen zusammen erlebt haben, und der Zukunft, die uns wieder zusammenführen soll.

Amen

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