Zwölf schwarze Urnen stehen auf dem Altar der Trauerhalle. Eine große Kerze brennt, ein schlichtes Kreuz ziert das Fenster. Nach und nach betreten Frauen und Männer den Raum, blicken zu den Urnen, verneigen sich, falten die Hände und nehmen leise Platz.
Einmal im Monat finden an einem Donnerstag im Bestattungshaus Müter Aussegnungen statt – eine seit 2013 gelebte ökumenische Praxis der evangelischen und katholischen Kirche. Im Auftrag der Hansestadt Lübeck wird ein würdevoller Abschied für Menschen gestaltet, die sich keine eigene Bestattung leisten konnten oder keine Angehörigen mehr haben.
„Jedes Leben ist wertvoll und hat seine Würde. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, den Verstorbenen das letzte Geleit zu geben“, sagt Propst Christoph Giering von der katholischen Pfarrei Zu den Lübecker Märtyrern.
An den Aussegnungen nehmen Menschen teil, die die Verstorbenen nicht kannten. „Christinnen und Christen, die ihrer Verantwortung nachkommen und für die Verstorbenen beten. Das ist ein starkes Zeichen der Verbundenheit über den Tod hinaus“, sagt Marienpastor Robert Pfeifer und betont: „Sie werden nicht namenlos beerdigt.“
Die Urnen werden vom Krematorium in die Trauerhalle überführt und auf dem Altar aufgestellt. Bei der Verlesung jedes Namens wird eine Kerze entzündet, es wird gebetet, ein Lied gesungen und am Ende der Segen gesprochen.
Die Kollektivaussegnungen, die jeweils zwischen 15 und 20 Minuten dauern, sind öffentlich – wer teilnehmen möchte, ist jeden letzten Donnerstag im Monat um 16 Uhr willkommen. Anschließend werden die Urnen auf dem St.-Lorenz-Friedhof am Lübecker Hauptbahnhof beigesetzt.