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Obdachlosigkeit als Thema in der Firmvorbereitung

44 Firmlinge bei Winternotprogramm

Veröffentlicht am: 20. Februar 2026
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C. Wode/ Erzbistum Hamburg

Im Rahmen ihrer Firmvorbereitung haben sich 44 Jugendliche aus den Hamburger Pfarreien St. Maria und St. Ansgar intensiv mit dem Thema Obdachlosigkeit auseinandergesetzt. Ein besonderer Baustein war der Besuch des Containerdorfs des Winternotprogramms in Hamburg-Altona – dem größten kirchlichen Projekt dieser Art in der Stadt.

Begleitet wurden die Jugendlichen unter anderem von Pastoralassistent Johannes Feindler. Für ihn ist der Besuch ein bewusster Bestandteil der Firmvorbereitung: „Es ist Teil der Firmvorbereitung, weil wir ganz konkret einen Ort bei uns in der Pfarrei besuchen möchten, wo wir Christinnen und Christen in Aktion erleben können, wo Menschen etwas aus einer Haltung, aus einem Glauben, aus einer Überzeugung tun, die ganz in der Nachfolge Jesu steht. Und weil das Sakrament der Firmung für uns auch das Sakrament der Sendung in die Welt ist, wo es darum geht, den eigenen Glauben zu stärken und in der Welt zu leben – dafür konnten die Jugendlichen Vorbilder kennenlernen.“

Ein Projekt mit Herz und Ausdauer

Betreut wird das Containerdorf vom Verein Obdachlosenhilfe am Mariendom rund um Diakon Henry Kirsche. Seit über 20 Jahren engagiert er sich mit großer Leidenschaft in der Obdachlosenhilfe. Zum Team gehört auch Olaf Coste, der die Gruppe an diesem Abend begrüßte und das Projekt ausführlich vorstellte.

Zum neunten Mal stemmt der Verein mit zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern sowie Sozialarbeiterinnen und -arbeitern das Containerdorf im Rahmen des Hamburger Winternotprogramms. In der Eulenstraße stehen 24 Container, in denen derzeit 23 Menschen aus unterschiedlichen Nationen untergebracht sind. Insgesamt haben über die vergangenen Jahre rund 250 wohnungslose Menschen hier eine Unterkunft gefunden.

Während der kalten Monate bietet das Projekt nicht nur eine sichere Übernachtungsmöglichkeit, sondern auch Begleitung: Gesprächsangebote, Unterstützung bei Behördengängen und Hilfe bei der Suche nach Arbeit oder einer Wohnung.

Eine Besonderheit: Anders als bei vielen anderen Standorten wurden die Container nach Ende des Winternotprogramms in der Vergangenheit nicht abgebaut. In Absprache mit der Sozialbehörde konnten sie stehen bleiben – aus dem Winter- wurde so teilweise ein Sommerprogramm. Für viele Bewohner bedeutete das Stabilität und die Möglichkeit, einfach bleiben zu können.

Fragen, die bewegen

Nach einer Einführung hatten die Jugendlichen Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen. Sie interessierten sich beispielsweise dafür, wie viele Menschen im Laufe der Jahre im Containerdorf untergebracht waren – rund 250. Außerdem wollten sie wissen, ob wohnungslose Menschen gläubig sind. Dabei wurde deutlich, dass Sinn- und Glaubensfragen für viele eine wichtige Rolle spielen. Auch die Frage nach der Rückkehr in Arbeit wurde gestellt. Hier zeigte sich, wie schwierig dieser Weg oft ist, da ein fester Tagesablauf, Sprachkenntnisse oder gesundheitliche Stabilität häufig erst wieder aufgebaut werden müssen. Schließlich fragten die Jugendlichen, wie man konkret helfen kann. Die Verantwortlichen betonten, dass es meist sinnvoller sei, bestehende Hilfsangebote zu unterstützen, statt direkt Geld zu geben.

Deutlich wurde insgesamt: Die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig – zerbrochene Beziehungen, Überforderung, psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen oder fehlende soziale Netze. Auch Fachkräftemangel und hohe Belastungen im Sozial- und Kirchensystem erschweren die Arbeit zusätzlich.

Henry Kirsche beschreibt sein Engagement als Berufung: Jeder Mensch habe Talente und Fähigkeiten, um Gottes Schöpfung mitzugestalten. Seinen Weg habe er in der Obdachlosenhilfe gefunden.

Neue Perspektiven

Die Begegnung hat bei vielen Jugendlichen Spuren hinterlassen. Lucretia fasste ihre Eindrücke so zusammen: „Ich habe heute gelernt, dass obdachlose Menschen meistens nicht selbst schuld an ihrer Situation sind, sondern durch Erfahrungen oder Ereignisse in diese Lage geraten, die sie nicht bestimmen können. Ich wünsche mir, dass unsere Gesellschaft empathischer mit ihnen umgeht und Vorurteile abbaut.“ 

Auch Benedikt zeigte sich beeindruckt: „Es war spannend zu sehen, wie sich die Barmherzigkeit und Nächstenliebe, die Jesus predigt, hier ganz praktisch widerspiegeln. Viele Menschen engagieren sich, damit andere im Winter nicht erfrieren und Hilfe bekommen. Das ist genau das, was Jesus uns aufträgt – und was wir umsetzen sollten.“ 

Firmung als Sendung

Der Besuch im Containerdorf habe laut Johannes Feindler den Jugendlichen eindrücklich gezeigt, was es bedeutet, Glauben konkret zu leben. Firmung bedeute nicht nur Bestärkung im Glauben, sondern auch Sendung: hinaus in die Welt, zu den Menschen – besonders zu denen, die Unterstützung brauchen.

Die Jugendlichen konnten auf diese Weise erleben, dass christliche Nächstenliebe kein abstrakter Begriff bleibt, sondern in Hamburg-Altona ganz konkret Gestalt annimmt.

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