Startseite > „Machtspiele“ im Fokus
Startseite > „Machtspiele“ im Fokus

„Machtspiele“ im Fokus

500 Teilnehmer beim Lübecker Kreuzweg

Veröffentlicht am: 3. April 2026
teilen

Am Karfreitag nahmen rund 500 Gläubige am Lübecker Kreuzweg teil. Auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft beteiligten sich wieder am Kreuzweg. Für die geistlichen Impulse standen Kirsten Fehrs, Bischöfin des Sprengels Hamburg-Lübeck in der Nordkirche, und Dr. Stefan Heße, Erzbischof des katholischen Erzbistums Hamburg. An den fünf Stationen kamen zudem weitere Stimmen zu Wort: die Landtagsabgeordnete Anette Röttger, Frank-Eckhard Brand, Oberst der Bundeswehr, und die Klimaaktivistin Sophia Marie Pott.

Ökumenische Prozession an Karfreitag

Der Kreuzweg griff in diesem Jahr aktuelle gesellschaftliche Spannungen und Herausforderungen auf. Pröpstin Petra Kallies erklärt: „In direkten Gesprächen und in den sozialen Netzwerken thematisieren Menschen jeden Alters wachsende Gefühle von Mutlosigkeit und Ohnmacht angesichts politischer Entscheidungen. Es kostet sie momentan sehr viel Kraft, diesen ‚Machtspielen‘ Zuversicht und Hoffnung auf Frieden, auf Klimaschutz, auf ein gutes gesellschaftliches Miteinander entgegenzusetzen.“

Auch Propst Christoph Giering betonte die Aktualität des Themas: „Wir werden immer häufiger Zeitzeugen für die Machtspiele der Großen, die ihre Mittel drastisch einsetzen. Der Kreuzweg erinnert uns, dass Jesus seine Macht völlig anders eingesetzt hat: für die Menschen, besonders für alle, die am Rande des Spielfeldes stehen.“

Jahrhundertealte Geschichte

Der Lübecker Kreuzweg blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück. Er gilt als einer der ältesten Kreuzwege Deutschlands und geht auf den Lübecker Kaufmann Hinrich Konstin zurück. Dieser hatte die „Via Dolorosa“ in Jerusalem nicht nur begangen, sondern vermessen, um sie in Lübeck nachzubilden. Elf Jahre nach seinem Tod erhielt die Hansestadt im Jahr 1482 ihren eigenen Kreuzweg. 

1650 Meter langer Kreuzweg durch Lübeck

Die rund 1650 Meter lange Strecke beginnt an St. Jakobi und führt bis zum eigens aufgeschütteten Kalvarienberg, dem Jerusalemsberg. Dort findet der Kreuzweg in jedem Jahr seinen Abschluss: Der Hügel wurde bereits im 15. Jahrhundert aufgeschüttet, um die Kreuzigungsstätte Jesu nachzubilden. Ein Kalksteinrelief aus dem Jahr 1493 zeigt Christus am Kreuz, flankiert von Maria und Johannes, während vier schwebende Engel sein Blut in Kelchen auffangen. Seit 2005 gehen hunderte Christinnen und Christen aus ganz Norddeutschland diesen Weg am Karfreitag gemeinsam.

powered by webEdition CMS