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„Jesus never gonna give you up“

Ordensleute begeistern auf re:publica

Veröffentlicht am: 20. Mai 2026
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Ein voll besetzter Talk, zwei Menschen in Ordenskleidung und zahlreiche Fragen aus dem Publikum: Der Auftritt von Bruder Lukas Boving OSB aus dem Kloster Nütschau im Erzbistum Hamburg und Schwester Josefine Schwitalla OSB aus Osnabrück auf der Digitalmesse re:publica in Berlin ist auf großes Interesse gestoßen.

Unter dem diesjährigen Motto der Messe „never gonna give you up“ diskutierten die beiden Benediktiner:innen gemeinsam mit Beate Bäumer, Leiterin der Katholischen Büros Hamburg und Schleswig-Holstein, über Glauben, Klosterleben und Social Media.
„‚Never gonna give you up‘ – das ist ein zutiefst biblisches Thema“, sagte Beate Bäumer zu Beginn des Gesprächs. „Die Botschaft Gottes ist: Ich lasse dich nicht fallen. Vielleicht berührt genau das viele Menschen auch online.“

Dass Ordensleute derzeit weit über die klassische Kirchen-Bubble hinaus Aufmerksamkeit auf Social Media bekommen, erleben Bruder Lukas und Schwester Josefine täglich. Schwester Josefine ist das Gesicht des TikTok-Kanals des Bistums Osnabrück und lebt gemeinsam mit zwölf weiteren Benediktinerinnen in einem reinen Frauenkloster in Osnabrück. Bruder Lukas ist Priester und Benediktinermönch im Kloster Nütschau bei Lübeck im Erzbistum Hamburg. Er betreibt eigene Instagram- und TikTok-Kanäle sowie den Podcast „Mönch ärgere dich nicht“.

Einen Grund für ihren Erfolg sehen beide durchaus auch in ihrem Auftreten: „Allein unser Äußeres wirkt heute schon exotisch“, sagte Schwester Josefine mit Blick auf den Habit, den beide selbstverständlich auch online tragen. In ihren Beiträgen räumen sie mit Vorurteilen über Ordensleben auf und zeigen, dass Klöster keine abgeschotteten Parallelwelten sind. „Wir sind kein ‚entweder oder‘ sondern ein ‚sowohl als auch‘“, erklärte Schwester Josefine. „Christliches Leben bedeutet nicht, dass ich mich jeden Tag selbst geißele und mir jeden Spaß im Leben verbiete, sondern ich zeige, dass Christsein etwas Schönes ist und ich auch lache und ein schönes Leben habe.“

Bruder Lukas betonte, dass es ihm um sein Glaubenszeugnis gehe: „Ich verkündige die beste Botschaft der Welt online! Ich sage: Gott liebt dich! Aber Kirchenpolitik auf meinen Social Media-Kanälen machen, das kann und will ich nicht.“ Gleichzeitig verschweigen die beiden nicht, dass ihre Präsenz im Netz auch Konflikte mit sich bringt. Besonders Themen wie das Frauenpriestertum, LGBTQ-Rechte oder der Umgang der Kirche mit Macht würden online stark polarisieren. Die schärfste Kritik komme dabei häufig aus einem extrem konservativen kirchlichen Umfeld. Bruder Lukas berichtete von Kommentaren, die ihm aufgrund von positiven Äußerungen zum Thema LGBTQ das Mönchsein absprechen.

Trotzdem sehen beide ihre Aufgabe weiterhin darin, Menschen niedrigschwellig mit Glauben in Berührung zu bringen. „Authentisches Leben im Kloster darstellen, Trends mitmachen und die Botschaft Jesu Christi verkündigen – das ist der Spagat, den wir online machen“, sagte Bruder Lukas. Zugleich brauche es bewusste Gegenpole zur Dynamik auf den digitalen Plattformen: „Ohne die Gebetszeiten im Kloster könnte ich die Schnelligkeit auf Social Media gar nicht aushalten.“

Dass ihre Präsenz im Netz Menschen neugierig auf das reale Klosterleben macht, erleben beide ganz konkret. Sowohl im Kloster Nütschau als auch im Osnabrücker Benediktinerinnenkloster sind Gäste willkommen, die dort auch mehrere Tage verbringen möchten. Schwester Josefine berichtete, dass die Zahl der Gäste seit ihrer starken Präsenz auf TikTok spürbar gestiegen sei – insbesondere in der Altersgruppe unter 35. Die Videos auf Social Media kommen offensichtlich an.

Auch auf der Bühne blieben Bruder Lukas und Schwester Josefine authentisch: Nach einem intensiven Austausch mit dem Publikum verrieten sie zum Schluss, dass sie am Abend noch einen Döner essen gehen wollen. Denn das geht auch im Habit.

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