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Geistlicher Impuls zur Karwoche und zum Osterfest 2026

Generalvikar Pater Sascha-Philipp Geißler SAC grüßt herzlich zu Ostern

Veröffentlicht am: 30. März 2026
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Liebe Leserinnen und Leser, liebe Glaubende, liebe Mitmenschen!

„Es ist schier zum Verzweifeln mit der Welt“, gestand mir eine Bekannte, und fuhr fort: „Ich kann es nicht verantworten, Kinder in diese Welt zu setzen. Und wenn es einen Gott gibt, dann soll er doch mal aufräumen...“

Ich muss zugeben, dass mich diese Aussage zunächst sprachlos gemacht hat. Irgendwie hatte ich auch Verständnis. Es gibt für viele Zeitgenossen sicher genug Anlässe, an der Welt und der wirksamen Gegenwart Gottes zu zweifeln. Die ständig neuen Bilder von Kriegen und Katastrophen, die Erfahrung menschlicher Tragödien und Schuldgeschichten zeigen und klagen unsägliches Leid.

Es geschieht auch in unseren Tagen ungeheuerliches Unrecht. Die Würde abertausender Menschen wird mit Füßen getreten, tätlich, aber auch mit dem Gift von Hassparolen. Doch: Nichts Gutes mehr für die Zukunft sehen können – das wäre Resignation pur und würde zu Verzweiflung führen. Taugt das für Getaufte und von Jesus Gesendete?

Man wirft Christen gelegentlich vor, dass sie weltfremde Träumer oder Spinner wären. Wir sagen mit gutem Grund: Wer glaubt, sieht mehr!  Denn der Glaube an das Erlösende der Hingabe Jesu Christi, unsere Hoffnung auf Ostern ganz konkret in den Wunden unseres Lebens, unsere Taufe prägen uns nämlich die Vision von einer Welt ein, die nicht so bleiben muss, wie sie ist.

Sie ist noch im Werden, so wie jeder und jede von uns, auch unsere Kirche. Wir haben die Zuversicht, dass die Schöpfung Gottes nicht versinken wird im Strudel von menschlicher Überheblichkeit, von Ungerechtigkeit und Leid. Denn wir trauen einem Gott, der dafür sorgt, dass das Leben siegen wird.

Glaube lebt von der Hoffnung und wird getragen von der Liebe. Der im Ersten Weltkrieg gefallene Schriftsteller Charles Péguy hat das einmal so ausgedrückt:

„Der Glaube, den ich am liebsten mag, spricht Gott, ist die Hoffnung.“

Hoffnung ist wie Liebe eine Kraft, die uns in Bewegung hält, die uns davor bewahrt, in Resignation zu versinken. Aber warum macht es Sinn, von Liebe und Hoffnung zu sprechen? Wir finden einen Hinweis im Evangelium: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab“ (vgl. Joh 3, 16). Das will sagen: Gott sorgt sich um diese Welt. Er hat sich nicht verdrückt, hat seine Schöpfung nicht sich selbst überlassen. Und: Gott nagelt die Welt und die Menschen nicht auf eine Schuldgeschichte fest, da er sich doch am Kreuz seines Sohnes Jesus gleichsam hat „festnageln“ lassen auf Hingabe aus Liebe, die Leben in sich birgt. Gott geht von Anbeginn der Welt an das Wagnis der unbeantworteten Liebe ein und riskiert eine unerfüllte „Beziehungskiste“.

Gerade die Fasten- und Passionszeit erinnert uns Glaubende ja daran und wir arbeiten an uns, der Liebe Gottes, der wir uns verdanken, neu mit unserer Liebe in Tat und wenn nötig im Wort zu begegnen. Noch einmal Charles Péguy:

„Einer, der liebt, begibt sich eben dadurch allein schon in Abhängigkeit. Einer, der liebt, verfällt so schon in die Knechtschaft des Geliebten. Er hängt ab von dem, den er liebt. Und in eine solche Lage, mein Kind, hat Gott sich begeben, da er uns liebt.“

Diese Abhängigkeit der Liebe hat Gott selbst von dem letzten Schritt nicht zurückgehalten, bis ans Kreuz zu gehen. Bis auf den heutigen Tag steht es aufgerichtet in der Welt. Das Zeichen der Hoffnung schlechthin. Der am Kreuz erhöhte Jesus ist die Zusage Gottes: Meine Liebe wandelt eure Schwäche in Kraft und durchkreuzt den Tod zum Leben; für alle Zukunft.

Christliche Hoffnung geht deshalb auf’s Ganze. Von dieser Hoffnung erfüllt haben Christen zu allen Zeiten dem Leid und der Schuld, der Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit ins Angesicht widerstanden. Sie lebten ihre Sendung, ihre Mission im Vertrauen auf eine größere Liebe, die Menschenmögliches übersteigt, hinter der aber der leidende und österliche Christus steht.

Ich denke an die großen Gestalten der Kirchengeschichte, die wir „Heilige“ nennen, viele von ihnen ehren wir als „Blutzeugen“, wie die Lübecker Märtyrer und zahlreiche andere. Ja, und ich denke an die vielen Menschen in unserer Umgebung, die dort wo sie stehen, in Beruf und Familie, in Wirtschaft und Gesellschaft einstehen für Menschenwürde und Gerechtigkeit. Und an jene, die sich in unseren vielfältigen kirchlichen Bezügen und anderswo durch den „stillen Dienst alltäglicher Liebe“ für das Leben engagieren.

Ich finde: Solche Menschen sind wirkliche Hoffnungszeichen für unsere Welt; da wird „Sendung“ heute zum Segen, Antwort auf und ein Ausrufezeichen für die konkrete und kreative Liebe Gottes.

Ich bin sehr dankbar für alles Glauben, Hoffen und Lieben und wünsche insbesondere auch den Kranken und Leidenden weiterhin Kraft, gerade in diesen Wochen aus der Feier des Todes und der Auferstehung des Herrn. Unsere Verstorbenen sind darin geborgen.

Auch im Namen von Erzbischof Stefan Heße grüße ich herzlich. Seien Sie, seid ihr behütet und gesegnet; hoffnungsstärkende Kar- und Ostertage uns allen!

Sascha-Philipp Geißler SAC
Generalvikar

 

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