Mehr als 85.000 Menschen feiern jedes Jahr beim Wacken Open Air. Zwischen Konzerten, Camping und Festivaltrubel sind aber auch Sorgen, Krisen und belastende Nachrichten Teil der Realität. Genau hier ist die Festival-Seelsorge präsent: Ein Team von mehr als 30 Seelsorgerinnen und Seelsorgern war auch in diesem Jahr rund um die Uhr für Besucherinnen und Besucher da. Mit dabei: Diakon und Notfallseelsorger Lutz Neugebauer aus dem Erzbistum Hamburg – bereits zum sechsten Mal.
Direkt neben dem Sanitätszelt war das Seelsorgezelt Anlaufstelle für alle, die reden wollten oder einfach einen Moment Ruhe brauchten. Ergänzt wurde das Angebot durch einen „Safer Space Bus“, der gemeinsam mit dem Awareness-Team betrieben wurde. Gerade Menschen, denen das Festival zwischendurch zu laut oder zu überwältigend wurde, fanden dort einen geschützten Ort zum Durchatmen.
Die Anliegen der Festivalgäste waren so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Manche erfuhren während des Festivals vom Tod eines nahestehenden Menschen, andere suchten Unterstützung bei Beziehungsproblemen oder brachten psychische Vorerkrankungen mit. Einige kamen bereits am ersten oder zweiten Festivaltag bewusst zum Seelsorgeteam, stellten sich vor und machten das Zelt zu ihrem persönlichen Ankerpunkt. Sie wussten: Wenn es im Laufe der Tage schwierig wird, ist hier jederzeit jemand erreichbar.
Die Seelsorge war in mehreren Schichten bis tief in die Nacht präsent und für Notfälle auch darüber hinaus telefonisch erreichbar. Gleichzeitig waren die Seelsorgenden regelmäßig auf dem Festivalgelände unterwegs, suchten das Gespräch und sprachen Menschen an, die Hilfe gebrauchen konnten.
Insgesamt verzeichnete das Team rund 550 Kontakte. Dazu gehörten mehr als 200 längere Seelsorgegespräche sowie 55 Kontakte im Bereich Awareness. Dort fanden Menschen Unterstützung, die sich nach einem Übergriff oder einer belastenden Beobachtung verunsichert oder hilflos fühlten.
Für Lutz Neugebauer sind es vor allem die persönlichen Begegnungen, die bleiben. Besonders bewegt hat ihn das Gespräch mit einem etwa 30-jährigen Festivalbesucher, der kurz zuvor eine schwere gesundheitliche Diagnose erhalten hatte.
„Er kam auf mich zu, gab mir die Hand und ließ sie mehrere Minuten nicht los. Wir haben uns einfach angeschaut. Am Ende sagte er nur: 'Danke, das tat gut.'“ Dass die Festival-Seelsorge fester Bestandteil des Wacken Open Air ist, wird auch von der Veranstaltungsleitung ausdrücklich unterstützt. Nicht nur Besucherinnen und Besucher, sondern auch Mitarbeitende wie Security-Kräfte, Sanitäterinnen und Sanitäter wissen die Präsenz des Teams zu schätzen.
Für Lutz Neugebauer zeigt sich gerade darin der Sinn der Arbeit: „Wir können die Welt nicht retten, aber Leute in Krisen nicht alleine lassen. Und dass die Menschen gut durch ihre Krise kommen – dafür können wir sorgen.“