Das Erzbistum Hamburg schließt seinen Verwaltungsstandort in Schwerin-Lankow. Das Gelände und das Verwaltungsgebäude sollen weiterentwickelt werden. „Wir werden das Gelände im Erbbaurecht an einen zukünftigen Nutzer veräußern“, sagte der Verwaltungsdirektor des Erzbistums Hamburg, Alexander Becker, am Freitag in Hamburg. Damit werden an dem Standort in der Kirche St. Martin ab der zweiten Jahreshälfte keine Gottesdienste mehr gefeiert. Der Entscheidung ist im Zuge der Vermögens- und Immobilienreform im Erzbistum Hamburg ein Prozess vorausgegangen, indem die Pfarrei mit ihren Mitgliedern ein Immobilienkonzept erarbeitet und ihre Seelsorgestandorte für die Zukunft bestimmt hat. Erzbischof Heße hat das von der Pfarrei erarbeitete und beschlossene Konzept genehmigt. Es wird nun Schritt für Schritt umgesetzt.
Neben dem Rückgang der Kirchenmitgliederzahlen werden bis zum Jahr 2040 auch weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge prognostiziert. Das Erzbistum Hamburg stellt sich mit dem Projekt „SeSam“ derzeit darauf ein und wird fünf Regionen mit sogenannten „Basisstationen“ ausbauen. Eine davon soll in der Pfarrei St. Anna in Schwerin aufgebaut werden. Mit mehr Personal soll auf diese Weise in Westmecklenburg eine verlässliche Erreichbarkeit und Sichtbarkeit der Seelsorge über Pfarreigrenzen hinweg zukünftig gesichert werden. Die Basisstation in Schwerin befindet sich derzeit in der Umsetzungsphase und ist eine der ersten beiden Pilotprojekte im Erzbistum.
Zum Hintergrund:
Der Standort gibt Zeugnis von der besonderen Geschichte der katholischen Kirche in Mecklenburg. Die Katholiken Mecklenburgs gehörten nach dem II. Weltkrieg und trotz der innerdeutschen Grenze weiterhin zum Bistum Osnabrück. Durch die deutsche Teilung war die Region allerdings für den Osnabrücker Bischof nicht erreichbar. Der Papst setzte deshalb 1973 einen Apostolischen Administrator, mit den Rechten eines residierenden Bischofs, ein. 1978 konnte nach langem Ringen mit den Staatsorganen der DDR das Gebäude für die bischöfliche Verwaltung fertiggestellt und bezogen werden. Der dazugehörige Versammlungsraum wurde zur Kirche St. Martin geweiht. Mit der Gründung des Erzbistums Hamburg 1995 wurden die Grenzen der Bistümer im Norden Deutschlands neu geordnet. Die bischöfliche Verwaltung in Mecklenburg, das nun zum neuen Erzbistum gehörte, war vor allem für die Region zuständig, während die Zentrale in Hamburg entstand. Das großzügige Gelände bot Platz für unterschiedlichste Veranstaltungen und Zusammenkünfte – Fronleichnamsgottesdienste mit Prozession, Wallfahrten, Sommerfeste oder Grillpartys für Schulklassen oder Ehrenamtliche.
Bilder aus der Bauphase Mitte der 1970er Jahre und der Weihe der Kirche St. Martin durch Bischof Heinrich Theissing, den damaligen Apostolischen Administrator, aus der Chronik der katholischen Kirche in Mecklenburg, Band 3.