Liebe Leserin, lieber Leser,
„Kopf hoch!“ – So versuche ich mich und manchmal auch einen Mitmenschen in einer schwierigen Herausforderung aufzumuntern. Angesichts eines lähmenden Misserfolges, einer bitteren Enttäuschung, einer Demütigung oder einer beklemmenden Angsterfahrung, oder auch inmitten als bedrohend erfahrener Veränderungen fällt es schwer, den Kopf hoch zu tragen. „Kopf hoch!“ - Das ist leicht gesagt. Aber hilft diese Aufmunterung allein wirklich weiter?
„Richtet euch auf und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe!“ So drückt es Jesus aus (Lk 21, 28). Das klingt so ähnlich wie mein „Kopf hoch!“ Und doch meint Jesus damit viel mehr: Gott ist im Kommen! Er wird diese Welt in eine gute Zukunft führen. Er hat schon den Anfang dazu gemacht. Wenn das nicht Grund genug ist zu „unverschämter Hoffnung“: zu einer Hoffnung, die sich nicht schämt davon auszugehen, dass etwas nicht nur irgendwie gut ausgeht, sondern dass es Sinn hat, egal wie es ausgeht (frei nach Vaclav Havel).
Angesichts so vieler Bedrängnisse trauen viele Menschen diesem Gott nicht. Manchmal wird gar behauptet, dass Gott sich verdrückt habe, dass er die Welt und die Menschen sich selbst überlassen habe. In der Tat, einem solchen Gott würde ich auch kein Vertrauen schenken. Ein „Drückeberger-Gott“ verdient keinen Glauben! Aber das ist nicht der Gott, an den sich Getaufte halten. Das ist nicht der Gott, der in Jesus Christus Menschengestalt annahm, in der Menschen Leben mit Haut und Haaren, Leib und Seele einstieg, der hier und heute mitten unter uns Menschen lebt, in dieser verwundeten und in Vielem fragwürdigen und vorläufigen Welt. Der um ihr Glück weiß und ihr Leid teilt. Christen glauben und vertrauen einem adventlichen Gott, der lebendig ist und machtvoll mitmischt in dieser Welt, der für Liebe und Gerechtigkeit gleichermaßen einsteht. Christen glauben einem Gott, der nicht irgendeine weltfremde Spinnerei ist, sondern ein lebendiges, ansprechbares „DU“ mit Namen und Gesicht - verbürgt in Jesus von Nazareth, dessen Geburtsfest wir in Kürze feiern. Das Fest der Menschwerdung Gottes, oder besser: Das Geheimnis der „Fleischwerdung des ewigen Wortes Gottes“, das unter uns wohnt (vgl. Joh 1, 14), macht Hoffnung auf Zukunft.
"Christen glauben einem Gott, der nicht irgendeine weltfremde Spinnerei ist, sondern ein lebendiges, ansprechbares „DU“ mit Namen und Gesicht."
Mitten hinein in die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens sagt Gott gestern und heute sein Kommen. „Richtet euch auf, erhebt euer Haupt“, ruft Jesus den Menschen zu, „denn eure Erlösung ist nahe. Ich bin eure Erlösung, eure Freiheit, euer Heil. Seht mich doch an. Steckt den Kopf nicht in den Sand eurer Angst und Begrenztheit. Schaut mir in die Augen. Ich bin da, ich rette euch.“ Wie sehr wünsche ich Ihnen und uns und mir diesen Blick ins Gesicht Jesu, der davor bewahrt, von Gottes Möglichkeiten zu klein zu denken, und der ermutigt, die anstehenden Herausforderungen beherzt und erhobenen Hauptes anzupacken.
Diesem Gott kann ich mein Herz öffnen. Durch seine Gegenwart werde ich gehalten, kann aufrecht stehen und weitergehen – allem Widerspruch zum Trotz. Ich will darauf bauen: Hier und heute beginnt die Zukunft. Mensch, erhebe dein Haupt!
Ich bin sehr dankbar für alles, was im vergangenen Jahr, einem „Heiligen Jahr der Hoffnung“, an Lebensförderlichem in unserem Erzbistum möglich wurde für unseren Auftrag, als Getaufte und Gesendete, die „Sendung Jesu“ weiter zu leben! Viele haben mitgedacht und mitgestaltet in unserem Bistums-Entwicklungsprojekt „SeSam – Sendung und Sammlung“. Es geht weiter.
Ich wünsche Ihnen und euch, zusammen mit Erzbischof Stefan Heße, viel Segen zum Weihnachtsfest und für jeden Tag im kommenden Jahr 2026. Wir bleiben unterwegs, wir bleiben dran, wir bleiben „Pilgernde in Hoffnung“.
Herzliche Grüße! P. Sascha-Philipp Geißler SAC, Generalvikar