Begegnungen, Bildung und gelebte Partnerschaft
Begegnungen, Bildung und gelebte Partnerschaft

Begegnungen, Bildung und gelebte Partnerschaft

Delegation aus dem Erzbistum zu Besuch in Iguazú

Veröffentlicht am: 14. August 2026
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M. Giering/ Erzbistum Hamburg

Tag 1

Wie lebendig eine Partnerschaft auch nach 30 Jahren sein kann, zeigte sich gleich am ersten Tag der Reise unserer Delegation durch das Bistum Iguazú.

Erste Station war das Instituto San Miguel, die Partnerschule der Katholischen Schule Harburg. Gemeinsam mit Erzbischof Stefan Heße besuchte die Delegation die Schule und kam mit den Menschen vor Ort ins Gespräch. Dabei wurde sichtbar, was durch die Unterstützung aus dem Erzbistum Hamburg in den vergangenen Jahren bereits entstehen konnte: Eine Aula wurde ausgebaut, Sanitäranlagen erneuert, eine Bibliothek und ein Raum für den Informatikunterricht eingerichtet sowie eine Photovoltaikanlage installiert. Ein neuer Brunnen sichert zudem die Wasserversorgung der Schule und des Bildungszentrums mit Lehrküche und Schulgarten. 

Am Nachmittag stand der Besuch eines „Milchbecherprojekts“ auf dem Programm. Dort erhalten Kinder aus sozial benachteiligten Familien nach der Schule Milch und eine Mahlzeit. Gleichzeitig ist das Projekt viel mehr als eine Essensausgabe: Es schafft einen Ort der Begegnung und Gemeinschaft für Kinder und ihre Familien.

Zum Abschluss des Tages war die Delegation in der Pfarrei in Capioví zu Gast. Nach dem gemeinsamen Abendessen ging es nicht ins Hotel, sondern zu Gastfamilien – eine besondere Gelegenheit, die Menschen und ihren Alltag noch persönlicher kennenzulernen.

Hintergrund: Seit 30 Jahren verbindet das Erzbistum Hamburg und das Bistum Iguazú in Argentinien eine lebendige Partnerschaft. Anlässlich dieses Jubiläums ist derzeit eine Delegation um Erzbischof Stefan Heße vor Ort. Im Mittelpunkt stehen Begegnungen, Austausch und der Besuch von Projekten, die mit Unterstützung des spendenfinanzierten Partnerschaftsfonds Iguazú neue Perspektiven für die Menschen schaffen.

Tag 2

Auf dem Programm stand heute der Besuch eines weiteren Förderprojektes der Bistumspartnerschaft. Das Gesundheitszentrums Ihyporá in der gleichnamigen indigenen Siedlung wurde durch Großspenden realisiert. Durch Sparmaßnahmen des Staates wurde das im Bau befindliche Gesundheitszentrum, das über 100 Familien aus drei indigenen Siedlungen versorgen sollte, nicht weitergebaut. Hier half der Partnerschaftsfonds. Es entstand ein eine einfache Hütte in der medizinische Behandlungen und ärztliche Untersuchen stattfinden können. Bis dahin wurden diese Maßnahmen meist auf Ladefläche von Pickups durchgeführt. Das mittlerweile auch staatlich anerkannte Zentrum ist nun eine große Hilfe für schwangere Frauen, für ältere Menschen und bei Erstbehandlungen von Verletzungen/Erkrankungen. 

Am Nachmittag kamen die Gäste mit Stipendiatinnen und Stipendiaten des ARRAIGO-Programms zusammen. Das Förderprogramm wird das aus Spenden, insbesondere durch Erlöse des Adventsbasars der Gemeinde St. Michael in Bargteheide unterstützt wird. Absolventinnen und Absolventen der Agrarfachhochschule Capiovi erhalten durch das Programm eine Starthilfe in Höhe von 750 Euro, um die erlernten Techniken des ökologischen Landbaues in ihren Familienbetrieben anzuwenden. So werden Existenzen auf dem Land werden gesichert und ausgebaut. „Arraigo“ bedeutet Verwurzelung. Das Programm soll gerade auch der Landflucht junger Menschen entgegenwirken. Außerdem ist es wichtig für die beruflichen Perspektiven der Geförderten und deren Betrieben, da die Banken vor Ort keine Kleinkredite an sie vergeben.

Tag 3

Am dritten Tag der Jubiläumsreise führte der Weg der Delegation um Erzbischof Stefan Heße nach Puerto Esperanza. Dort stand zunächst der Besuch der Schule San Nicolás de Flüe auf dem Programm.

In einem von Armut geprägten Viertel wird dort seit 2022 eine Oberstufe aufgebaut – mit einem besonderen Schwerpunkt: IT und Robotik. Diesen Schwerpunkt haben sich die Kinder und Jugendlichen selbst gewünscht. Der Partnerschaftsfonds Iguazú unterstützte den Ausbau mit rund 20.000 Euro, unter anderem für neue Klassenräume, Sanitäranlagen und ein neues Dach.

In diesem Jahr steht ein wichtiger Meilenstein bevor: Im Dezember wird der erste Jahrgang seinen Abschluss machen. Gleichzeitig wächst eine neue Verbindung nach Norddeutschland: Zwischen San Nicolás de Flüe und der Niels-Stensen-Schule in Schwerin entwickelt sich derzeit eine Schulpartnerschaft. 

Und was bei einer Reise durch Argentinien natürlich nicht fehlen durfte: Mate! Bei der Besichtigung einer Mate-Tee-Produktion bekam die Delegation einen Einblick in die Herstellung des Getränks, das aus dem argentinischen Alltag kaum wegzudenken ist.

Anschließend besuchte die Delegation in Wanda das Kleine Priesterseminar und die bekannten Edelsteinminen. Nach einem Zwischenstopp in Puerto Bemberg endete der Tag bei den Franziskanern in Puerto Libertad.

Die Brüder der polnischen Franziskanerprovinz betreuen dort seit 2007 die Pfarrei Sagrado Corazón de Jesús. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt bei den indigenen Guaraní-Gemeinden im ländlichen Raum.

Tag 4

Am vierten Tag der Reise gab es gleich mehrere gute Gründe zum Feiern: 40 Jahre Bistum Puerto Iguazú und 30 Jahre Partnerschaft mit dem Erzbistum Hamburg. 

Los ging es mit einem besonderen Höhepunkt: Gemeinsam mit Bischof Nicolás Baisi und Erzbischof Stefan Heße wurde im Wallfahrtszentrum von Puerto Iguazú die große Messe zu Mariä Himmelfahrt gefeiert. Viele Menschen kamen zusammen, um zu beten, zu singen und natürlich auch die beiden Jubiläen zu feiern. 

Erzbischof Stefan Heße zeigte sich dankbar für die vielen Begegnungen und die gewachsene Verbundenheit: „Ich bin sehr dankbar für unsere Bistumspartnerschaft und für das, was in 30 Jahren daraus gewachsen ist. Aus den vielen Begegnungen hier nehme ich lebendige Impulse mit nach Hamburg und in unser gesamtes Erzbistum.“

Nach einem gemeinsamen Mittagessen mit den Diakonen des Bistums wurde am Nachmittag noch einmal ganz praktisch sichtbar, was in 30 Jahren Partnerschaft alles gewachsen ist: Bei einer Ausstellung präsentierten sich verschiedene Projekte, die mit Unterstützung aus dem Erzbistum Hamburg umgesetzt werden konnten. Für die Delegation gab es dabei viele Gelegenheiten, mit den Menschen hinter den Projekten ins Gespräch zu kommen und zu erfahren, was die Unterstützung vor Ort ganz konkret bewirkt. 

Zum Abschluss ging es zum Hotel Guaminí. Das dortige Museum erinnert an die historischen Jesuitenreduktionen aus dem 17. und 18. Jahrhundert – inklusive beeindruckendem Blick über den Rio Paraná. Beim gemeinsamen Abendessen klang der Tag schließlich aus.

Tag 5

Am fünften Tag der Reise stand ein echtes Naturhighlight auf dem Programm: die Iguazú-Wasserfälle. 

Die Delegation um Erzbischof Stefan Heße besuchte den Nationalpark auf der argentinischen Seite und erlebte die gewaltigen Wassermassen aus nächster Nähe. Und „nächste Nähe“ war durchaus wörtlich gemeint: Bei einer anschließenden Bootsfahrt ging es bis an den Rand der Wasserfälle. Trocken blieb dabei kaum jemand. Wechselkleidung war an diesem Tag definitiv eine gute Idee!

Nach diesem beeindruckenden Erlebnis in der Natur ging es am Abend zurück nach Puerto Iguazú. Dort feierte die Delegation gemeinsam mit Bischof Nicolás Baisi ein Pontifikalamt in der Kathedrale.

Tag 6

Der letzte volle Tag in Iguazú führte die Gruppe aus unserem Erzbistum noch einmal zu verschiedenen sozialen Projekten der Bistumspartnerschaft.

Am Vormittag ging es ins Altenheim San Ramón. Durch Spenden aus Hamburg konnten die Pflege und Betreuung verbessert, zusätzliche therapeutische Angebote geschaffen und regelmäßige zahnärztliche Behandlungen ermöglicht werden. Besonders beeindruckend: Auch der Glaube und die Gemeinschaft spielen im Alltag der Seniorinnen und Senioren eine wichtige Rolle. Einige berichteten, dass sie im Heim wieder neu Zugang zu ihrem Glauben gefunden haben.

Für Erzbischof Stefan Heße und Bischof Nicolás Baisi gab es sogar noch ein ganz persönliches Andenken: Eine Bewohnerin, die leidenschaftlich gerne malt, schenkte beiden eines ihrer Bilder.

Musikalisch wurde es anschließend bei einer kleinen Aufführung eines Kinder- und Jugendorchesters, dessen Instrumente zum Teil ebenfalls durch die Bistumspartnerschaft finanziert wurden.

Nach dem Mittagessen mit Blick auf das Dreiländereck Argentinien, Brasilien und Paraguay ging es zu zwei sogenannten Milchbecherprojekten. Dort bekommen Kinder nach der Schule etwas zu essen und zu trinken – aber vor allem einen sicheren Ort, an dem sie spielen, zur Ruhe kommen und Menschen zum Reden finden. Gerade für Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen ist das enorm wichtig.

Was an diesem Tag und während der gesamten Reise besonders deutlich wurde: Hilfe bedeutet nicht nur Essen, medizinische Versorgung oder finanzielle Unterstützung. Es geht auch um Gemeinschaft, Aufmerksamkeit und Orte, an denen Menschen sich gesehen und aufgehoben fühlen.

Unsere Erzbistums-Gruppe ist mittlerweile wieder auf dem Heimweg und wird schon bald wieder in Hamburg landen - voller Dankbarkeit und Erinnerungen an eine intensive und beeindruckende Woche in Argentinien.

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