Bischof Philippe Jean-Charles Jourdan aus dem Bistum Tallinn in Estland besuchte mit einer kleinen Delegation das Erzbistum Hamburg. Verbunden sind beide Bistümer durch das Wirken des Jesuitenpaters und Bischofs Eduard Profittlich, der an beiden Orten wirkte, in Estland als Märtyrer gestorben ist und vergangenes Jahr seliggesprochen wurde. Die Reise brachte die Gäste an verschiedene Orte und Ereignisse im Norden. Auf dem Programm standen die Eröffnung der Ansgarwoche, ein Besuch der Gedenkstätte für die Lübecker Märtyrer und ein Besuch der Partnerstadt Tallinns, die Landeshauptstadt Kiel.
In Estland gibt es nur rund 7000 Katholiken, das sind etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung. „Das Interesse an der katholischen Kirche in Estland ist enorm gewachsen mit dem Besuch von Papst Franziskus im Jahr 2018. Der Heilige Vater hat viel bewirkt. Er hat deutlich gemacht, dass die Esten nicht allein sind“, sagte Jourdan. Der Papst lenkte den Blick auf die unerschütterliche Hoffnung und das Vertrauen in Gott während Jahrzehnten des Leidens, der Besatzung und der Unterdrückung durch die Sowjetunion.
Beim Redaktionsbesuch der Kieler Nachrichten beschrieb Jourdan die derzeitige Situation der Esten: „Es gibt keine estnische Familie, die in den 1940er-Jahren niemanden in den russischen Lagern verloren hat“, Daher rühre die große Unsicherheit Estlands und den baltischen Staaten generell. Als Russland die Ukraine vor vier Jahren überfiel, seien sich die Esten sicher gewesen, die nächsten auf der Liste zu sein. „Vielleicht hat Russland nie vorgehabt, die baltischen Staaten anzugreifen. Aber das wissen wir nicht und können uns nicht sicher sein“, sagt er der Zeitung. „Die Bevölkerung ist in Sorge über die Zukunft.“
Erzbischof Dr. Stefan Heße zeigte sich dankbar für den Besuch der Esten „Die Menschen im Baltikum brauchen gerade in der jetzigen Zeit unsere Solidarität besonders dringend. Ich hoffe, dass der Kontakt bleibt und wir ihn in Zukunft vertiefen können. Dazu dienten auch die Begegnungen und die Gespräche, die die Delegation um Bischof Jourdan hier in unserem Erzbistum geführt haben“, sagte Heße.
Stichwort: Seliger Eduard Profittlich
Profittlich war Jesuitenpater und arbeitete in Hamburg, bevor er 1930 nach Estland versetzt wurde. Im Dezember 1936 wurde er in Tallinn zum Bischof geweiht und erhielt den Titel eines Erzbischofs. Im Zuge der sowjetischen Besetzung Estlands wurde Profittlich festgenommen und „wegen konterrevolutionärer Tätigkeit und Agitation in der Kirche“ zum Tode verurteilt. Vor der Vollstreckung starb er in sowjetischer Gefangenschaft wahrscheinlich an Entkräftung am 22. Februar 1942. 1990, mit der Unabhängigkeit Estlands, wurde er rehabilitiert. Im September 2025 wurde Profittlich als Märtyrer und Glaubenszeuge auf dem Friedensplatz in Tallin seliggesprochen.