Wie wird unsere Kirche in 10-15 Jahren aussehen? Die Statistiken und Prognosen sprechen eine klare Sprache: Die Zahl der Kirchenzugehörigen und der Priester sowie der in pastoralen Berufen Tätigen wird drastisch zurück gehen.
Wie können wir unsere Kirche zukunftsfähig gestalten? Wird es vor allem darum gehen, den Mangel zu verwalten und die Gemeinden „abzuwickeln“?
In meiner Arbeit in der Ehe,- Familien-und Lebensberatung/ Seelsorge begegne ich immer wieder Glaubensfragen in vielerlei Gestalt. An den Einbruchsstellen des Lebens werden Fragen nach Sinn und Perspektive dringender. Dabei erlebe ich: Der Glaube ist nicht weg, er ist nur unsicher, diverser geworden.
Wir brauchen in der Beratung eine Haltung, die dem Unerwarteten, dem „Wunder“ Raum lässt. Oft erlebe ich, wie in Beziehungen ein Geheimnis aufleuchtet, wie es Entwicklungen gibt, die so nicht zu erwarten waren.
Das gilt meiner Meinung nach auch für die Zukunftserwartung unserer Kirche. Mit klarem Blick auf Untersuchungen und Prognosen sollten wir auch „Realisten sein und Wunder planen“. Damit meine ich nicht in erster Linie einen unerwarteten Geldsegen oder Priesterüberschuss, sondern ein unerwartetes Auftreten von Glaubenden. Niemand weiß, ob nicht z.B. durch kommende Generationen oder durch zugewanderte Menschen Formen des Glaubens auftauchen, die im Zusammenhang mit (auch schwierigen) gesellschaftlichen Entwicklungen neue Antworten brauchen. Die Kirche hat jahrtausendealte Erfahrungen mit dem wunderbaren Wirken von Gottes Geist.
Die Idee, „Basisstationen“ zu schaffen als „Kompetenz- und Vergewisserungszentren“, in denen Glaubende Raum finden, die Beziehung zu Gott zu vertiefen und durch Gemeinschaft und fachliches Wissen gestärkt zu werden, kann ein mutiger Schritt sein. Vielleicht können wir uns dabei auch an der früheren Funktion von Klöstern orientieren.
Und dabei offen und vertrauensvoll zu bleiben. So wie es Kardinal Paul Ludolf Melchers war, der 1895 sein Brustkreuz einem künftigen Bischof von Hamburg vererbte, der es dann tatsächlich 100 Jahre später tragen konnte.