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Zehn Jahre Nordkirche

Ein gemeinsamer Weg

Die evangelische Kirche im Norden feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Auch die Katholiken gratulieren. Denn der Weg der Christen im Norden wird immer mehr ein gemeinsamer Weg. Ein Beitrag von Erzbischof Stefan Heße.

Zehn Jahre evangelisch-lutherische Kirche im Norden – wenn unsere evangelischen Schwestern und Brüdern zu Pfingsten diesen „Geburtstag" feiern, blicken sie auf einen langen Weg zurück. Es wird kein leichter Weg gewesen sein. Im Vergleich zur Bildung des Erzbistums Hamburg war die Aufgabe des evangelischen Zusammenschlusses vermutlich viel größer. Die Landeskirche Mecklenburgs, die Pommersche Evangelische Kirche, dazu die seit 1977 zusammengeschlossene Nordelbische Kirche – da kamen 13 Kirchenkreise und 1000 Gemeinden zusammen. Und jede hat ihre eigene Tradition, ihren eigenen Stil und manchmal auch eigene Vorstellungen, die sich mit denen der anderen nicht deckten.

Es ist kein leichter Weg, wenn man Eigenständigkeit aufgeben, Kompromisse schließen und sich an neue Partner gewöhnen muss. Das wissen wir. Aber es ist ein guter Weg, ein im wahrsten Sinn des Wortes synodaler Weg, ein gemeinsamer. Veränderungen tun nicht nur weh, Veränderungen bringen auch Chancen. Soweit ich es beurteilen kann, haben unsere Schwestern und Brüder diese Chancen genutzt. „Nordkirche" ist heute kein Wort mehr, an das man sich erst noch gewöhnen muss.Die evangelischen und katholischen Christen im Norden verbindet vieles – nicht nur die Erfahrung einer großen Fusion. Uns verbindet eine lange Geschichte, die mit dem heiligen Ansgar, den christlichen Missionaren und den Gründern von Klöstern beginnt.

Ökumenisch: im Norden fast selbstverständlich

Uns verbindet die gleiche Aufgabe: das Leben des Evangeliums in einer Umgebung, in der Christen vielfach eine Minderheit bilden. Nur in Schleswig-Holstein gehört noch eine Mehrheit der Bevölkerung einer christlichen Kirche an. Uns verbinden auch die gleichen Sorgen – etwa die Sorge, unsere Kirchengebäude zu finanzieren. Ich freue mich, dass wir dort an vielen Stellen gemeinsame Lösungen finden – indem wir zusammenrücken und Gebäude gemeinsam nutzen, vor allem unsere Gotteshäuser.Was uns vor allem verbindet, ist der Glaube an Jesus Christus. An vielen Orten ist es einfach selbstverständlich, dass wir gemeinsam auftreten, gemeinsam beten und in der Heiligen Schrift lesen, Feste feiern und Bräuche pflegen. Vieles, was heute „ökumenisch" ist, wird gar nicht mehr als etwas Besonderes wahrgenommen. Anderes schon. Ich denke an das bevorstehende Taizé-Jugendtreffen in Rostock zum kommenden Jahreswechsel. Ich denke an den Evangelischen Kirchentag 2013, bei dem wir Katholiken einen kleinen Beitrag leisten konnten.

Wohin führt der Weg derjenigen, die an Christus glauben? Das ist schwer zu sagen. Und letztlich haben wir das auch nicht zu entscheiden, geschweige denn in unserer Hand. Unser Weg ist ein Weg, auf dem wir geführt werden. Ich bin sicher, dass der Weg der Christen mehr und mehr ein gemeinsamer Weg wird. Wir werden Dinge gemeinsam tun, die früher gar nicht denkbar waren. Und immer weniger wird man fragen: Bist du evangelisch? Bist du katholisch? Bist du freikirchlich, orthodox? Die Frage, auf die wir in der Zukunft antworten müssen, ist: Wie bringen wir das Evangelium unter die Menschen? Was können wir als Minderheit tun für mehr Gerechtigkeit, mehr Menschlichkeit und mehr Hoffnung in unserer norddeutschen Heimat? Wie sind wir Christen? Überzeugte und überzeugende Christen!Als Erzbischof von Hamburg freue ich mich, mit der evangelischen Kirche im Norden einen starken evangelischen Partner zu haben. Ich freue mich auf eine gute Zukunft und wünsche der Jubilarin eine Geburtstagsfeier ganz im Geist des Pfingstfestes: mit Sturm, Feuer und mit Worten, die alle Menschen verstehen.

Erzbischof Stefan Heße Hamburg

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