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„Wir kämpfen für die Grundrechte der Kleinbauern“

Interview mit Misereror-Gast Rafael Jurado Díaz aus Kolumbien

Veröffentlicht am: 27. Februar 2024
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EBHH

Rafael Jurado Díaz kommt aus Kolumbien aus der Diözese Pasto in der Region Nariño. Dort arbeitet er als Sozialpädagoge mit Familien, die kleinbäuerliche Betriebe führen. Im Rahmen der Misereor Fastenaktion 2024 ist Jurado Díaz im Erzbistum Hamburg zu Besuch. Wir haben ihn interviewt.

Was macht Ihre Arbeit in der Sozialpastoral aus?

Die Sozialpastorale ist der karitative Arm der Diözese. Sie lenkt die Ressourcen und Initiativen, mit denen die Menschen unterstützt werden, die unter den Unruhen im Land leiden. Menschen, die vertrieben werden, die durch Landminen verletzt werden; gesellschaftliche Aktivisten, die für ihre Arbeit bedroht werden; und die Landbevölkerung, die seit Jahren marginalisiert wird und unter der Gewalt im Land leidet.

Ich übernehme die Koordination der Landpastorale, also die Arbeit mit kleinbäuerlichen Familien. Wir bilden die Kleinbauern in verschiedenen Bereichen weiter, helfen ihnen bei der Strukturierung und Organisation ihrer Betriebe und kämpfen mit ihnen für ihre grundlegenden Rechte wie Wohnraum, Bildung, Gesundheit, eine saubere Umwelt, eine angemessene Daseinsvorsorge sowie eine gute Infrastruktur, damit sie ihre Produkte auf lokalen Märkten zu fairen Preisen verkaufen können.

Sie entwickeln in Ihrer Arbeit mit den Familien auch sogenannte Planes de Vida? Was sind die Planes de Vida?

Die Planes de Vida (zu Deutsch: Lebenspläne) sind ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit mit den kleinbäuerlichen Familien und den Kommunen vor Ort. Ziel ist es, dass die Familien eine Art Arbeitsplan haben, anhand dessen sie ihren Betrieb im Laufe der Jahre weiterentwickeln können.

Mit unserem Team der Landpastorale unterstützen wir die Familien in diesem Prozess. Wir versuchen, die Familien zu stärken, die Arbeit auf dem familiären Betrieb besser zu strukturieren und die Familie stärker in der Gemeinschaft einzubinden.

Dadurch, dass immer mehr Familien Teil von diesem Prozess werden, entwickelt sich automatisch auch ein Lebensplan für die Gemeinschaft als Ganzes. Dieser „Gesamtplan“ wiederum hilft der Gemeinde, ihre Ressourcen zu steuern und besser auf die Grundbedürfnisse der Bevölkerung vor Ort einzugehen.

Welche Rolle spielt dabei der Glaube?

In der Landpastoral spielt die Spiritualität eine entscheidende Rolle. Wir leben Spiritualität in der Unterstützung, in der Arbeit mit der Gemeinde, im Finden von Lösungen für die Gemeinde für ein Leben in Würde. Dabei spielt jede einzelne Person eine wichtige Rolle und hat gleichzeitig die Möglichkeit, sich durch eigene Anstrengungen einzubringen und weiterzuentwickeln.

Infokasten

Im Rahmen seines Besuches im Erzbistum Hamburg ist Rafael Jurado Díaz außerdem in Schwerin an der Niels-Stensen-Schule, in der Spanischen Mission in Hamburg und am Beruflichen Gymnasium Harburg zu Gast.

Hier gibt es weitere Infos zur Misereor-Fastenaktion und Möglichkeiten zu Spenden.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Menschen in Kolumbien?

In Kolumbien haben wir verschiedene Herausforderungen. So befindet sich der Präsident unseres Landes, Gustavo Petro, in Friedensverhandlungen mit mehreren illegalen Gruppen, um so den schon lange wütenden bewaffneten Konflikt in unserem Land zu beenden.

Eine weitere Herausforderung ist die Unterstützung der ländlichen Bevölkerung, die schon seit Langem marginalisiert und vernachlässigt wird. Der Staat ist in ländlichen Regionen nicht präsent und garantiert weder Grundbedürfnisse noch fundamentale Rechte der dortigen Bevölkerung.

Außerdem ist der Umweltschutz ein wichtiges Thema. Kolumbien ist das Land mit der viertgrößten Biodiversität weltweit. Um das zu erhalten, ist ein Ziel, den Übergang zu schaffen von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien.

Mit unserer Arbeit wollen wir sicherstellen, dass alle Kolumbianerinnen und Kolumbianer die gleichen Rechte genießen; dass alle Kinder die Grundschule abschließen können; dass mehr Jugendlichen auch eine weiterbildende Schule besuchen und erfolgreich abschließen können, damit sie später studieren können; und dass wir alle in Frieden leben und unsere Konflikte demokratisch lösen können.

Welche Rolle spielt die katholische Kirche in ihrem Heimatland?

In Kolumbien leben 54 Mio. Menschen, von denen sich 80 Prozent zum katholischen Glauben bekennen. Die Kirche spielt eine wichtige Rolle im Entwicklungsprozess des Landes. In den aktuell laufenden Friedensverhandlungen mit den bewaffneten Gruppen im Land versucht sie, sicherzustellen, dass der bilaterale Waffenstillstand eingehalten wird.

Die Kirche kümmert sich mit internationaler Unterstützung vor allem um alle marginalisierten Gruppen im Land, die Landbevölkerung, die indigenen Völker, die afrokolumbianische Bevölkerung, die Frauen.

Wie können Menschen Ihre Arbeit unterstützen?

Das Hilfswerk Misereor unterstützt unsere Arbeit im Kampf für die Menschenrechte der Landbevölkerung. In der Fastenzeit führt Misereor in den Kirchengemeinden in Deutschland eine Spendenkampagne durch. Dank dieser Spenden kann uns das Hilfswerk mit wichtigen Ressourcen unterstützen: bei der Stärkung der Strukturen und Gemeinden vor Ort, bei der Durchführung von Initiativen für die Landbevölkerung und im Schutz und Erhalt der Natur unseres Landes.

Daher laden wir in der Fastenzeit alle Katholiken und Katholikinnen dazu ein, für Misereor zu spenden, damit weiterhin verschiedenste Initiativen auf der Welt unterstützt werden können – in Asien, in Afrika, in Lateinamerika und natürlich in Kolumbien. Und damit wir die Kraft und die Ressourcen haben, um die einfache Bevölkerung auf ihrem Weg zu einem besseren Leben unterstützen zu können.

Danke für Besuch und Gespräch.

 

 

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