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Ostergrüße aus Südkorea
Bildquelle: pirvat

Bruder Benedikt schreibt aus Seoul

Seit November ist Bruder Benedikt Hülsmann aus dem Kloster Nütschau Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde von Seoul. Wie dort das Osterfest gefeiert wird, beschreibt er in einem Brief an die Gläubigen im Erzbistum Hamburg: 

Von Herzen sende ich Ihnen die besten Wünsche für ein frohes und gesegnetes Osterfest aus der südkoreanischen Metropole Seoul in die Heimat. Während die Geschäfte in Deutschland voll mit Osterartikeln sind, findet man diese hier gar nicht. Ostern ist in Korea kein Feiertag. Karfreitag und Karsamstag sind ganz normale Arbeitstage. Die Christen feiern Ostern, aber Bräuche, wie wir sie kennen, die gibt es hier nicht. Im Land sind 30 Prozent der Menschen Christen, davon sind gut zehn Prozent katholisch.

Die katholische Kirche hier ist sehr kraftvoll und traditionell. Ich erlebe sie als sehr lebendig und mit vielen Berufungen. 1996 zählte man in Korea 3,5 Millionen Katholiken, 2015 waren es 5,65 Millionen. Das Christentum ist für die Menschen von Interesse und es gibt viele Erwachsenentaufen.

Bei uns in Deutschland gilt die Kirche als altbacken und verstaubt; hier ist sie für die Menschen hochinteressant. Das beeindruckt mich sehr. Wie schön wäre es, wenn Menschen in Deutschland das Christentum wieder als erfüllende Lebensform entdecken könnten. Die Gesellschaft in Korea wandelt sich rasant. Das verändert auch die Kirche und sie ringt auch hier um neue Antworten. Verändert sich die Gesellschaft, so verändert sich immer auch die Kirche.

Seit 1986 gibt es in Seoul die deutschsprachige katholische Gemeinde, in der ich seit November 2020 Dienst tue. Die ersten Gottesdienste haben Benediktiner in dieser Gemeinde gefeiert. Das hat mich gefreut. Die Benediktiner haben in diesem Land für die Christianisierung eine große Rolle gespielt.

Das Evangelium wird auf Koreanisch gelesen

Als ich hier ankam, musste ich zunächst in vierzehntägige Quarantäne. Täglich musste ich mehrfach per App meine Körpertemperatur mitteilen. Tat ich dies nicht, so wurde ich angemahnt.

Die Gemeinde hat mich herzlich empfangen und versorgte mich mit Lebensmitteln. Zu den Behördengängen begleiteten sie mich, denn ich kann weder die Sprache noch deren Schrift lesen und die Stadt ist groß. Etwa zehn Millionen Einwohner leben in Seoul. An das Autofahren habe ich mich schnell gewöhnt, aber ohne Navi fahre ich nicht los.

Meine Gemeinde ist international. Das macht mir Freude. Mittlerweile sprechen wir in der Messe das Evangelium auch in koreanischer Sprache. Ich habe festgestellt, dass die Texte oft nicht von den Koreanern verstanden werden, selbst wenn sie Deutsch sprechen. Die Koreaner sind im Gottesdienst in der Mehrzahl.

Ich bin hier sehr schnell angekommen. Die Menschen haben es mir leicht gemacht. Ich liebe es, neue Kulturen kennenzulernen. Dabei hilft mir auch Frau Shin. Sie führt mich in das Denken der Koreaner ein, und das ist sehr anders als das deutsche Denken und Fühlen. In Göttingen hat sie 20 Jahre lang gelebt und musste sich nach ihrer Rückkehr selbst wieder in diesem Land einfinden.

Ich liebe das Essen hier. Es gibt noch vieles zu entdecken. Manches ist gewöhnungsbedürftig für mich. Die getrockneten Raupen habe ich noch nicht gegessen. Ein kleines Erlebnis auf dem Markt: Ich dachte, ich hätte Suppenknochen gekauft. Zu Hause stellte ich fest, dass es ein zerlegter Ochsenschwanz war.

Für Ostern färbe ich mit den Erstkommunionkindern Ostereier. Die Farbe kommt aus Deutschland und auch einige andere Osterleckereien hat mir jemand geschickt. Damit erfreuen wir dann die Gottesdienstbesucher. Denn im Ausland tut es gut, auch Vertrautes zu bekommen.

Br. Benedikt

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