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Lübecker Kreuzweg 2022

Ökumenischer Kreuzweg sucht nach „ZUSAMMENHALT“

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause fand am Karfreitag (15. April 2022) wieder der älteste Kreuzweg Deutschlands in Lübeck gemeinsam mit Hunderten Gläubigen statt. Mit einem Holzkreuz zogen die Gläubigen durch die Lübecker Altstadt und erinnerten an fünf Stationen an das Leiden und Sterben von Jesus Christus.

Der diesjährige Kreuzweg stand unter der Überschrift „ZUSAMMENHALT". An den fünf Stationen sprachen u.a. Bischöfin Kirsten Fehrs, Ministerpräsident a.D. Björn Engholm und Erzbischof Dr. Stefan Heße. Heße sagte im Vorfeld des Kreuzweges: „Ich bin sehr froh und dankbar, dass wir in diesem Jahr den Lübecker Kreuzweg wieder gemeinsam in ökumenischer Verbundenheit gehen können. Der Kreuzweg ist für mich ein wichtiges Zeichen, das den christlichen Glauben im Norden sichtbar macht. Wir erinnern uns an Jesu Leben, Leiden und Sterben und übertragen dies in die heutige Zeit. Das Kreuz und das leere Grab erinnern uns an den Triumph des Lebens über den Tod."

Bischöfin Kirsten Fehrs erklärte: „Auf unermessliches Leid angesichts des Krieges gegen die Ukraine antworten wir mit diesem Kreuzweg mit der Botschaft des Zusammenhalts. Wir sehen die Bilder von Menschen, die auf den Straßen der Ukraine barbarisch ermordet wurden. Und ich glaube, alle sind wir zutiefst entsetzt, ja wütend. Wenn wir gemeinsam das Kreuz tragen, tragen wir ihr Leid mit. Wir sehnen uns nach Frieden, nach dem sofortigen Ende des Krieges und wollen den Hilfesuchenden die Hand reichen. Wie selten zuvor nimmt in diesem Jahr der Kreuzweg unser aller Fassungslosigkeit und Trauer und das Mitgefühl mit den Leidenden auf. Und vom ihm geht unbedingt die Botschaft aus: lasst uns eintreten für eine Gesellschaft ohne Hass und für den Frieden."

Ferner wirken am Kreuzweg mit: Pastor Lutz Jedeck (Jakobi), Pastorin Kathrin Jedeck (Jakobi), Jürgen Wiechmann (ehemaliger Prof. für Didaktik und Schulentwicklung), Propst Christoph Giering (Propstei Herz Jesu), Sabine Rode (Vorstand der DRK-Schwesternschaft Lübeck), Pröpstin Petra Kallies (Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg), Dr. Jan Philipp Klein (leitender Oberarzt für Psychotherapie Uniklinik Lübeck) und Pastoralreferentin Claudia Schophuis (Moderation).

Zum Thema „Lübecker Kreuzweg":

Kirchenhistoriker halten ihn für den ersten deutschen Kreuzweg: Der Weg von der Jakobi-Kirche zum Jerusalemsberg ist mit 1.650 Metern exakt so lang wie die „Via dolorosa" in Jerusalem. Diesen Weg soll Jesus nach seiner Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zum Ort der Kreuzigung gegangen sein. Hinrich Konstin war im 15. Jahrhundert ein angesehener Kaufmann und Ratsherr der blühenden Hansestadt Lübeck. Für sein Seelenheil hatte er eine Pilgerreise nach Jerusalem unternommen. Den Lübschen Sagen nach soll er sehr jähzornig gewesen sein und seiner Frau „großes Herzeleid" angetan haben. Er starb 1482 kinderlos und verfügte in seinem Testament, dass von seinem Vermögen ein Kreuzweg gebaut werden sollte. Noch heute erinnern „Konstinkai" und „Konstinstraße" an den Stifter. Der Kreuzweg beginnt an einem Relief der evangelischen Jakobi-Kirche. „Hir beginet de crucedracht Christi bute de borchdare to Jherusale" (Hier beginnt die Kreuztragung Christi durch das Burgtor zum Jerusalemsberg). Vor den Stadtmauern hatte Konstin den Jerusalemsberg aufschütten lassen. Hier an der Konstinstraße sieht man heute neben dem Brahms-Institut einen rund vier Meter hohen Hügel. Ursprünglich muss er höher gewesen sein, denn die Franzosen hatten während ihrer Belagerung 1813 einen Teil abgetragen. 17 stattliche Eichen umrahmen das Denkmal mit der Kreuzigung Jesu. Seit Anfang der 2000er Jahre (vermutlich 2003/2004) gehen an die 800 Gläubige diesen Kreuzweg wieder regelmäßig an jedem Karfreitag um 10 Uhr.

Bilder: M. Heinen/Erzbistum Hamburg



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