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Kinderkrankenhaus Wilhelmstift

Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie eröffnet

Das Katholische Kinderkrankenhaus Wilhelmstift hat den Neubau für seine psychiatrische Abteilung eröffnet. Er wird sowohl den gestiegenen Anforderungen als auch dem höheren Therapiebedarf gerecht.

Er hat auch eine Art Gipfelkreuz. Man kann zu ihm auch emporsteigen, fast jedenfalls, und zwar über eine Kletterwand an der Fassade, bis man nahezu auf Augenhöhe mit dem Kreuz auf dem Turm der Kapelle im Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift ist. Gemeint ist der Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Hospitals, der am 24. September eröffnet wurde. Der dreistöckige Klinkerbau erhebt sich gleich neben dem Haupteingang des Wilhelmstifts, wo somit ein Platz entsteht, der gleichsam wie der Mittelpunkt eines kleinen, freilich hochmodernen Dorfs wirkt. „Eine imposante Erscheinung", nannte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD), die auch für das Ressort Gesundheit zuständig ist, den T-förmigen Trakt, dessen Bau die Stadt Hamburg mit knapp 29 Millionen Euro förderte.

Es bedürfe einer Schärfung in der Gesellschaft für psychische Probleme von Kindern, meinte Leonhard weiter bei der feierlichen Eröffnung, die sie zusammen mit dem Geschäftsführer Henning David-Studt, Chefarzt Joachim Walter und Domkapitular Berthold Bonekamp vornahm. Der Neubau mag gerade für eben diese Schärfung stehen. Denn er war erforderlich geworden aufgrund veränderter Anforderungen und dem gestiegenen Bedarf an klinischer kinder- und jugendpsychiatrischer, -psychosomatischer und -psychotherapeutischer Versorgung. Die Patienten im Alter von sechs bis 18 Jahren leiden beispielsweise unter Depressionen, Angstzuständen oder Essstörungen, sind suizidgefährdet oder verletzen sich selbst.

Mit dem Bau dürfte das Wilhelmstift zudem seinen Ruf untermauern, den die Senatorin ebenfalls hervorhob, nämlich „sehr innovativ zu sein und auch furchtlos". Auf mehr als 7 000 Quadratmetern können nun gut 60 Patienten in Ein- und Zweibettzimmern von rund 200 Mitarbeitern versorgt werden. Darunter befindet sich auch eine Akutstation. „So können wir Notfallaufnahmen besser bewältigen", sagt die Leitende Oberärztin Imke Neemann. Zudem gibt es ein Spielzimmer und einen Raum für Bewegungs- und Ergotherapien. Angeboten werden überdies Musik- und Kunsttherapien, bei denen die Patienten beispielsweise ihren Gedanken und Gefühlen in Tonreliefs Ausdruck verleihen. Diese werden dann im Eingangsbereich des Neubaus auf einer Tonkachelwand präsentiert. Die Patienten hinterlassen so beständige Zeichen und erfahren sich damit auch als Teil eines Ganzen. Auch eine Holz- und Metallwerkstatt gehört zum Therapieangebot. Dementsprechend bietet die Kinder- und Jugendpsychiatrie eine vielseitige pädagogische Betreuung.

Die Architekten stellte der Bau vor besondere Herausforderungen. So sollten beispielsweise Übergangsräume zwischen der Privatsphäre und der Öffentlichkeit geschaffen werden, gewissermaßen Zwischenräume, die einen schrittweisen Übergang zwischen Rückzug und Begegnung ermöglichen. Und es galt, besonderen Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden. So sei etwa kein Einbruchschutz gefragt gewesen, wie man ihn üblicherweise kenne, sondern ein Ausbruchsschutz, erklärt Architekt Michael Droppelmann, man habe also andersherum denken müssen.

Klare, strukturierte und helle Räume

Auch die Fluchtwege durften nicht von innen nach außen führen, sondern umgekehrt. Gelungen ist das beispielsweise durch sehr feine Gitter vor den Fenstern, die den Blick nach außen nicht wirklich beeinträchtigen. Jegliche Anmutung von Gefängnis, die eine solche Klinik nicht sein will und darf, wird somit vermieden. Die Räume sind zudem „klar, strukturiert und hell, die Farben zurückgesetzt", wie Thomas Kobsa, Leiter des Pflegeund Erziehungsdiensts sowie des Fachbereichs Sozialpädagogik sagt. Kobsa, der auch das Konzept des Baus federführend entwickelte: „Die äußere Ordnung soll helfen, die innere Ordnung wieder herzustellen." Die ersten Patienten werden im November aufgenommen. Bis dahin muss noch das Personal mit der Technik vertraut gemacht werden.

Text: Matthias Schatz

Für die Kletterwand und die Tonkachelwand müssen noch 55 000 Euro eingeworben werden; Spendenkonto: IBAN: DE76 2005 0550 1500 6433 72, BIC: HASPDEHHXXX.

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