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Gemeinsam auf dem Weg

Pfarreigründung im Zentrum Mecklenburgs

Die Vorbereitung lief unter Corona-Bedingungen. Die Feier der Gründung ist verschoben. Aber ab Sonntag, 16. Januar 2022, bilden Parchim, Lübz, Goldberg, Plau und Crivitz eine Pfarrei. Sie trägt den Namen einer Heiligen, die keinen weiten Weg gescheut hat: Birgitta von Schweden.

Die heilige Birgitta von Schweden wird Patronin der neuen Pfarrei im Zentrum Mecklenburgs. Parchim, Lübz, Goldberg, Plau und Crivitz sind die Kirchenstandorte. Es ist eine Region ohne große Stadt, dafür mit viel Land, wunderbaren Seen – und einigen Spezialitäten. Die katholische Kirche in Goldberg etwa ist eine ehemalige Synagoge, die in den 1920er Jahren an die katholische Kirche verkauft wurde. Auch die alte Kirche St. Paulus in Plau war ein jüdisches Gotteshaus. Hier sind die Katholiken allerdings in eine kleinere Kapelle am Marktplatz umgezogen.

Lübz ist bekannt durch sein Bier, Parchim könnte wegen seiner schönen Altstadt mit dem großem See ein Tourismusort sein, wird aber übertroffen durch Plau am See. Dort besuchen während der Saison auch viele Urlauber die katholische Kirche; in Plau und in anderen Orten der Pfarrei gibt es mehrere große Reha-Kliniken, die ebenfalls in der Pastoral eine Rolle spielen.

Schwerpunkte: Familien, Jugend, Alte und Kranke

Josef, Thomas, Paulus, Herz Jesu und Heilige Familie heißen die Patrone der Kirchen in der Pfarrei. Eine St. Birgitta-Kirche gibt es dort nicht. Der Moderator der Pfarrentwicklung, Pastoralreferent Dr. Matthias Bender, nennt mehrere Gründe, warum die schwedische Mystikerin und Ordensgründerin der Pfarrei den Namen gibt. „Die heilige Birgitta war eine Frau. Sie war dazu eine Frau, die fest im Leben stand. Sie war verheiratet und Mutter. Sie hatte die Gabe zu vermitteln und hatte die Rolle einer Diplomatin, und sie steht für Mobilität und Beweglichkeit." Als Jakobspilgerin und Romreisende ist Birgitta von Schweden auch durch Mecklenburg gewandert, woran heute noch große Pilgerwege erinnern. Beweglich und „gut zu Fuß" sein muss jeder, der in der Pfarrei unterwegs ist. Sie hat zwar nur gut 2 000 Katholiken, aber die Gegend ist dünn besiedelt. Die Wege können weit werden, nicht nur für das dreiköpfige Pastoralteam mit Johann Kraft, Pastor Knut Hermanns und Sabine Friedrichowicz, die als Religionslehrerin, aber auch in der Gemeindepastoral tätig ist.

Wege – oder vielmehr „der Weg" kommt auch im geistlichen Leitwort vor: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Johannes 14,6). Das Pastoralkonzept spricht von der Aufgabe, immer wieder den Weg zu finden. Zu den Alten, Kranken und Gastpatienten der Kliniken etwa. Es gibt heute schon Bringdienste zu Gottesdiensten, in Kliniken und Altenheimen werden regelmäßig Gottesdienste gefeiert. Ein weiterer Schwerpunkt: Familien und junge Menschen. „Es ist uns wichtig Kinder und Jugendliche auf ihrem Lebensweg und Glaubensweg zu begleiten," heißt es im Konzept. Die Mittel dazu sind auf die Diaspora zugeschnitten – wie etwa die altbewährte RKW oder der monatliche „Treffpunkt Jugend„ in Parchim und Lübz. Neben der unverzichtbaren Ökumene nennt das Konzept den Sonntagsgottesdienst als Schwerpunkt, und zwar an erster Stelle. „Angesichts der weiten Fläche in unserer Pfarrei ist es uns wichtig, dass wir vor Ort verlässliche Bezugspunkte bieten." Dass die Gemeinden lebendig bleiben, dass sie überhaupt erhalten bleiben, das ist der Wunsch vieler im Vorfeld der Fusion. „Die Stimmung in den Gemeinden ist unterschiedlich", sagt Pfarradministrator Johann Kraft. „Auf der einen Seite gibt es freudige Erwartung. Man setzt auf ein gutes Gemeindeleben. Viele haben aber auch Angst, dass sie etwas verlieren werden." Denn wie anderswo werden die Katholiken weniger, und die Gemeinden älter. Die kommende Immobilienreform, so Pfarrer Kraft, löst bei vielen Gemeindemitgliedern Sorge aus.

Die neue Pfarrei wird offiziell an diesem Sonntag (16.1.2022) gegründet. Dass eine große Feier nicht möglich sein würde, wurde schon im Herbst wegen der steigenden Coronawerte klar.

Geplant ist jetzt ein feierlicher Gottesdienst und ein Fest rund um die Kirche in Lübz am 23. Juli, dem Gedenktag der heiligen Birgitta. Und alle hoffen, dass man dann unbeschwert feiern kann.

Text: Andreas Hüser / Neue Kirchenzeitung

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