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Diakon Henry Kirsche engagiert sich seit 20 Jahren für Obdachlose

Veröffentlicht am: 2. Februar 2024
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C. Wode/ EBHH

„Das, was du dem geringsten meiner Brüder tust, das hast du mir getan“

24 Container, 30 Menschen, viele verschiedene Nationen - das größte kirchliche Projekt im Winternotprogramm steht in Hamburg-Altona. Henry Kirsche ist Diakon im Ruhestand. Viel Ruhe ist da aber nicht. Er engagiert sich seit mehr als 20 Jahren in der Obdachlosenhilfe und ist mit Leib und Seele für die Menschen da.

Zum siebten Mal wird ein Containerdorf im Winternotprogramm der Stadt Hamburg vom Verein „Obdachlosenhilfe am Mariendom“ mit vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern sowie Sozialarbeiterinnen und -arbeitern gestemmt. Obdachlose Menschen erhalten für die kalten Monate eine Übernachtungsmöglichkeit und einen sicheren Rückzugsort. Und sie werden begleitet. Es gibt Gesprächsangebote und Unterstützung bei Behördengängen.

Das Team ist gut vernetzt und bei der Sozialbehörde bereits bekannt - da geht manche Tür etwas einfacher auf, berichtet uns Henry Kirsche: „Wir sind nicht nur bei der Behörde bekannt, sondern auch unter den vielen Obdachlosen. Wir erleben es immer neu, dass bei der Verteilung der Plätze viele Obdachlose gerne zu uns kommen würden. Sie kennen uns aus den vergangenen Jahren und fühlen sich wohl bei uns.“

Eine Besonderheit des Containerdorfs in der Eulenstraße: Eigentlich werden die Container nach Beendigung des Winternotprogramms am 31.3. eines jeden Jahres wieder abgebaut und abtransportiert. Hier nicht - um Geld zu sparen und weil der Vermieter der Container sie nicht anderweitig benötigte, konnten die Container im vergangenen Jahr einfach stehen bleiben. Das ist auch in diesem Jahr so geplant. Natürlich in Absprache mit der Sozialbehörde, sagt Henry Kirsche: „Das hat einen Riesenvorteil gebracht. Dadurch konnten viele von denen, die hier schon wohnten, einfach bleiben. Wir mussten uns nur mit der Sozialbehörde mit den Stromkosten einigen. Denn aus dem Winternotprogramm ist sozusagen ein Sommerprogramm geworden. Aber da hat die Behörde mitgespielt und auch seitens der Kirche gab es einige Sponsoren, da hat unsere Kirche richtig mitgeholfen, sodass man die Kosten halten konnte.“

Viele Menschen, die im Containerdorf wohnen, würden sehr gerne arbeiten. Henry Kirsche weiß: Um an eine Wohnung zu kommen, braucht man einen Job. Bei der Vermittlung hilft er mit seinem Verein. Doch häufig scheitert es an der Integration. Es fehlt vor allem an Sprachkursen, ärztlicher Versorgung und psychologischer Begleitung, um die Menschen für ein geregeltes Leben fit zu machen. Auch Alkohol und Drogen spielen in der Obdachlosenszene eine große Rolle, die weitere Probleme nach sich ziehen. Denn mit einer Suchterkrankung auf der Straße umzugehen, ist eine noch größere Herausforderung: „Alle sagen natürlich ,ich will davon weg'. Aber der Sprung von ,ich will' hin zur Praxis ,ich setze das jetzt durch' ist eine unheimliche innere Anstrengung. Es ist ein Hilferuf an uns. Aber da kommen auch wir an unsere Grenzen.“

Diakon Kirsche ist dankbar für jeden, der sich engagiert. Jeder habe seine eigenen Talente und Fähigkeiten, jeder könne sich einbringen in Gottes Schöpfung und mitgestalten. Seinen Weg hat er in der Obdachlosenhilfe gefunden: „Eigentlich ist es eine Berufung zum Mitgestalten, die jeder Mensch hat. Und mein Weg der Mitgestaltung ist eben hier entstanden.“

Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig: Überlastungen und Überforderungen, Beziehungen, die in die Brüche gegangen sind, Drogenkonsum, psychische Probleme oder ein fehlendes stabiles soziales Umfeld. Behörden, Sozialarbeiter der Caritas und Diakonie und auch Ehrenamtliche in den Kirchengemeinden helfen, dem entgegenzuwirken. Doch es ist oft nicht einfach, sagt Henry Kirsche: „Viele öffentliche und auch kirchliche Stellen klagen über Personalmangel. Hinzu kommt die mentale Belastung. Nicht jeder kann alles. Wir sind ein Gemeinschaftssystem - Kirche und Sozialstaat - aus vielen Menschen, die für unterschiedliche Dinge zuständig sind. Die werden belastet und zum Teil überlastet und da gerät das System an seine Grenzen.“ Für die Zukunft wünscht er sich, mehr Menschen in ein Wohnverhältnis bringen zu können - der Grundstein, um ein geregeltes Leben führen zu können.

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