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Bogdan ist ein Gottesgeschenk
Bildquelle: Neue Kirchenzeitung / M. Heinen

Don Bosco-Haus nimmt ukrainische Kinder auf

Das Don Bosco-Haus in Mölln, in dem mehrfach Schwerstbehinderte leben, hat fünf Kinder aus der Ukraine aufgenommen – sehr zur Freude der Mitarbeiterinnen von „Haus 4", die sich sehr für die kleinen Gäste engagieren.

Bogdan ist erst drei Jahre alt und ein Waisenkind. Er hat einen seltsam großen Kopf, typisch für Menschen, die an einer Hydrozephalus leiden. Das ist eine krankhafte Erweiterung der mit Hirnwasser gefüllten Bereiche des Gehirns. Bogdan wurde in der Woche vor Palmsonntag ins katholische Don Bosco-Haus in Mölln gebracht, in dem mehrfach schwerstbehinderte Menschen leben. Direkt nach seiner Ankunft in Deutschland war er in einem Krankenhaus untersucht und medikamentös eingestellt worden. Schließlich ist es eine ziemliche Zumutung, in so jungen Jahren und mit einer solchen Erkrankung auf der Flucht vor einem Krieg zu sein. Bogdans Zuhause war ein Kinder- und Pflegeheim in der Ukraine.

Alle weiteren fast 50 Bewohner und ihre 13 Betreuer – darunter einige Ehrenamtliche – brachen kurz nach dem Kriegsbeginn am 24. Februar Hals über Kopf auf, um Sumy zu verlassen. Sumy ist die zentrale Stadt im gleichnamigen Verwaltungsbezirk (Oblast) im Nordosten der Ukraine. Von dort aus sind es weniger als 50 Kilometer bis zur russischen Grenze und etwa 340 Kilometer bis nach Kiew.

Als Bogdan – der Name bedeutet so viel wie „Gottesgeschenk" – im Haus 4 des Don Bosco-Hauses ankam, eroberte er die Herzen der Mitarbeiterinnen – zum Team gehört nur ein Mann – im Sturm. „Bogdan hat uns sofort das Gefühl gegeben: ihr macht das gut mit mir und ich fühle mich wohl bei euch", erzählt Bärbel Hanschmann, die das Haus 4 leitet. Gemeinsam mit der Heilpädagogin und Physiotherapeutin Melanie Jessen, mit Kai Losigkeit aus der Verwaltung und dem ukrainischen Studenten Andriy Ilkiv erzählt sie bei einer Tasse Kaffee, wie es dazu kam, dass außer Bogdan ein paar Tage später auch Aryna (4), Sofiya (4), Larysa (4) und David (8) in Mölln ein neues Zuhause fanden. Auch sie haben schwerste Erkrankungen, die eine besondere Pflege und Therapie erfordern. Auch sie erfreuen das Team jeden Tag.

Es ist gar nicht so lange her, da erfuhr Einrichtungsleiter Diakon Harry Harms, dass Betreuungsplätze für einige Kinder benötigt würden. Die gesunden Kinder aus Sumy und ihre Betreuer waren in Ratzeburg untergekommen. Doch sieben Kinder mit Betreuungsbedarf wurden erst einmal in Krankenhäusern im Norden sowie in Leipzig aufgenommen. Würden sie in die Nähe der ihnen vertrauten Menschen zurückkehren können?

Die Hilfsbereitschaft in Haus 4 ist groß

Weil im Haus 4, in dem normalerweise 21 Menschen wohnen, gerade zwei Plätze frei geworden waren, setzte sich Harry Harms mit Bärbel Hanschmann zusammen, um eine Lösung für die kleinen Flüchtlinge zu finden. „Wir waren natürlich sofort bereit, die Kinder aufzunehmen, auch um die Fürsorge sicherzustellen", erzählt Hanschmann. Und weil die Räumlichkeiten es hergeben und die Hilfsbereitschaft der insgesamt 29 Mitarbeiterinnen und des einen Mitarbeiters von Haus 4 so groß war, sollten nicht nur zwei, sondern fünf Kinder kommen. Gern hätten sie alle sieben genommen, doch zwei sollen vorerst im Raum Leipzig bleiben, berichtet Hanschmann.

Nun ist so ein Pflegeheim kein Hotel, und es gibt normalerweise einigen bürokratischen Aufwand, bevor jemand einziehen kann. Doch das wurde erst einmal hintan gestellt. Kreisverwaltung und Don Bosco-Haus hätten an einem Strang gezogen, berichtet Kai Losigkeit. Auch mit der Heimleiterin aus der Ukraine, die sich weiter für die Kinder verantwortlich fühlt, stehe man in ständigem Austausch.

Und da kommt Andriy Ilkiv ins Spiel. Er studiert seit 2018 Betriebswirtschaftslehre in Wismar, arbeitet als Werkstudent in Zarrentin und spricht fließend Deutsch. (Die Geschichte, wie er seine Frau und seine beiden Töchter am 24. Februar aus der Ukraine nach Deutschland brachte, muss ein andermal erzählt werden.) Er war bei einer Friedensandacht in der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Mölln dabei und bot sich als Übersetzer an, woraufhin später der Kontakt zum Don Bosco-Haus zustande kam. Und so kommt er nun regelmäßig freitags zusammen mit der ukrainischen Kinderheimleiterin und weiteren Betreuern und hilft über sprachliche Hürden hinweg. Sogar Fachbücher übersetzt er in seiner Freizeit, was eine große Hilfe ist.

Aus Sicht von Bärbel Hanschmann und Melanie Jessen haben sich die fünf Kinder innerhalb weniger Tage im Don Bosco-Haus gut eingelebt. Das macht sich an kleinen Details bemerkbar, die von den Fachkräften genau registriert werden. Lediglich eines der Mädchen habe zwei Tage länger gebraucht, um richtig anzukommen. Doch selbst die ukrainische Heimleiterin habe sich überrascht gezeigt über die gute Entwicklung aller Kinder schon nach so wenigen Tagen.

Die Anwesenheit der Kinder motiviert sehr

Vor allem aber sind die Mitarbeiterinnen froh, dass nun wieder Kinder zum Haus 4 gehören. Die anderen Bewohner leben dort schon lange und sind mittlerweile zwischen 21 und 54 Jahre alt. Sie würden natürlich genauso umsorgt wie sonst auch, betont Bärbel Hanschmann. Doch die Kinder, die haben den Betreuerinnen schon den Kopf verdreht und seien sehr motivierend. „Haus 4 hatte früher auch Kinder, die mittlerweile Erwachsene sind", sagt Hanschmann, die seit 32 Jahren im Don Bosco-Haus tätig ist. „Deshalb haben wir uns total gefreut, dass das Haus 4 noch einmal Kinder aufnehmen kann. Wir wollen ihnen nicht nur ein schönes Zuhause bieten, sondern hatten alle gleich im Kopf, was man alles machen kann, damit sie sich auch weiterentwickeln."

Und so wundert es nicht, dass die Mitarbeiterinnen schon ganz viele notwendige Dinge sogar auf eigene Kosten eingekauft und gespendet haben und bereit sind, auch Überstunden in Kauf zu nehmen. Ein paar Dinge müssen allerdings noch dringend gekauft werden. Ein paar Hilfsmittel für die Therapie etwa und auch spezielle Rollstühle. Aber auch das wird sich finden – hoffentlich.

Text: Marco Heinen / Neue Kirchenzeitung

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